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Die Verlegerin - Steven Spielberg

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 10. November 2018, 14:27pm

Kategorien: #Filme

Die Verlegerin - Steven Spielberg

Selten einen Film gesehen, der so aus der Zeit gefallen ist, wie Die Verlegerin von Spielberg. In den 50'er und 60'er Jahren hätte er ein Erfolg werden können, im Jahr 2018 mutet er an, wie der erbärmliche Versuch die "gute alte Zeit" wieder auferstehen lassen zu wollen.

Es ist traurig anzusehen, wie Spielberg Jahr für Jahr seinen - ohnehin zu hohen - Status schrittweise selbst demontiert. Für einen Künstler ist es schwer sich von seinen Leidenschaften zu lösen, aber Selbsterkenntnis ist notwendig, nicht nur für sich, sondern auch für andere, nämlich uns Zuschauer und Filmliebhaber. Die Erkenntnis, dass man seinen Zenit und seine kreative Schaffenskraft längst überschritten hat.

Die Verlegerin ist billig produziert, man erkennt das Studiogelände, auf dem die Außenaufnahmen gedreht wurden. Der Film gehört zum Genre des Politthriller, welches problematisch und höchst anspruchsvoll ist. Dass Spielberg eben jenes und das des Thrillers zweifelsfrei besser beherrscht, das hat er mit München eindrucksvoll bewiesen.

Die Verlegerin wirkt wie ein Schnellschuss, ein hastig gedrehter Kommentar zur aktuellen politischen Situation in den Vereinigten Staaten und der im Kreuzfeuer stehenden Pressefreiheit. Darum bedarf es keiner Diskussion, ein hohes Gut. Die Frage ist: Wie transportiere ich dieses Problemfeld der Meinungsfreiheit in die dramaturgische Konstruktion eines Films, eines Thrillers? An dieser Umsetzung ist Steven Spielberg kläglich gescheitert.

Zwei aufrechte Menschen verteidigen die Pressefreiheit, gelangen an brisante Dokumente, treffen sich in der Wohnung des Chefredakteurs und überlegen, ob sie mit der Veröffentlichung der Dokumente der Gesellschaft und den in ihr lebenden Menschen Schaden zufügen, oder ob sie davon in Kenntnis gebracht werden müssen. Das, was hochbrisant ist, wird filmisch leider bieder, langweilig und vorhersehbar präsentiert. Kein Spannungsbogen, kein Timing, keine aufwühlenden oder gar verstörenden Dialoge. Alles plätschert lustlos vor sich hin.

Die treu sorgende Ehefrau schmiert Stullen für die Mitarbeiter und gibt sich Abends ihrer Kunst hin und redet so schlau daher, dass es gekünstelt und peinlich wirkt. Anwälte laufen umsorgt hin und her und die Anleger haben Angst um ihr Geld. All diese Dramatik, all dieser Tumult wird in eine Konservenbüchse gedrückt und das Ergebnis schmeckt so fad wie ein Eintopf aus der Dose.

​​​​​​​Tom Hanks hat Schwierigkeiten mit seiner Mimik, weil anscheinend das Botox oder andere Schönheitsoperationen einige Muskeln lahm gelegt haben. Fürchterlich öde Performance eines Mimen, der einst in der Tradition eines Spencer Tracy, James Stewart und Henry Fonda gesehen wurde.

Meryl Streep kann nicht anders: Sie muss einmal im Film heulen, egal zu welchem Anlass. Unbestritten eine grosse Schauspielerin, der aber zu pathetisch-gekünstelte Monologe in den Mund gelegt wurden.

Am bedauerlichsten ist, dass das Gefühl verbleibt, dass aus Die Verlegerin mehr hätte werden können. Immer wieder kamen Gedanken hoch zu All The President's Men von Alan J. Pakula und anderen hochkarätigen Politthrillern. Verglichen mit diesen wirkt der Film jedoch wie eine schnell heruntergekurbelte Pilotfolge zu einer neuen Serie.

​​​​​​​Alan Lomax ist nicht nur Best Buddy, sondern auch Autor und Founder dieses Blogs. Wenn er begeistert ist, dann zählt sein Wort und ist für mich im Zusammenhang mit der Kultur Verpflichtung, nicht nur aus Gründen der Harmonie, v.a. auch wegen eines stetig sich wandelnden Diskurses. Wir haben wiederholt auf diesem Blog unsere unterschiedlichen Ansichten zu Filmen und auch anderen Themen diskutiert. Bitte lesen Sie unbedingt (siehe link unten), wie er den Film gesehen hat.

So unterschiedlich können Rezeptionen sein und das ist das Spannende ... sich auf die Sichtweise des anderen einzulassen um ihn zu verstehen.

Aus einer Zeitungsredaktion,

Rick Deckard

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