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Haldern Pop Festival 2018 - Ein Ausblick

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 3. Juli 2018, 14:37pm

Kategorien: #Populäre Musik, #Kommunikation, #Konzerte

Haldern Pop Festival 2018 - Ein Ausblick

Es wird viel geschrieben und nachgedacht in diesen Tagen über das Thema Musikfestivals. Booker, Veranstalter, Journalisten und Zuschauer spüren, dass wiedermal eine Veränderung in der Musikfestivalkultur stattfindet! Kultur? Genau richtig! Denn inzwischen sollten Begriffe wie „Pflege“ und „Gestaltung“ genutzt werden, da die Ansprüche gestiegen sind und es schon lange nicht mehr reicht, ein paar Musikgruppen auf eine Bühne zustellen, eine Bierbude aufzubauen und einen Platz zum Zelten anzubieten. Riesenräder, Extremsportverlustigungen, Street-Food und fragwürdige Cocktailmix-Buden reichen aber auch nicht mehr aus. Und dann werden auch noch Ersatzwelten gefordert. Techno- und Elktrofestivals machen es  gearde vor und werden schon bald gescheitert sein. Es ist schon fast belustigend, was man dann so liest, wenn das Thema erst mal aktiviert wird. Es gibt zu allem abermals so viele Meinungen: Da werden auf einmal Frauenquoten beim Line-Up gefordert, andere wollen nicht mehr Zelten, weil sie das auch von Haus aus nicht kennen und kennenlernen wollen, andere wollen komfortabler Zelten, wieder andere wollen endlich mal wieder die ÄRZTE sehen und nicht schon wieder die TOTEN HOSEN. Da wird über neue musikalische Konzepte gesprochen, über Aufbruch, Erweiterung und auch mal darüber, vielleicht Bands zu buchen, die in Deutschland gar nicht so bekannt sind (sic!).

Bin ich froh, dass ich mich bei der Debatte für das Einfache, für das Schöne und das -fpersönlich- Richtige entschieden habe. Und dass ich nachhaltig mehr und mehr verstehe, dass ein Festival sich auch mit den Generationen verändert und somit insbesondere mit denen, die auf alles eine Antwort haben, sich aber damit beschäftigen sollten, dass ein Musikfestival in erster Linie mit Musik zu tun hat und erst im zweiten Ansatz mit Feiern und dass ein Festival Geld kostet. Und zwar von betriebswirtschaftlicher Seite und den Ansprüchen eines jedes Einzelnen.

Eigentlich ganz einfach! Deshalb verfolge ich seit Jahren die Konzepte PRIMAVERA und HALDERN! Das PRIMAVERA SOUND FESTIVAL (Barcelona und Porto) gestattet es mir, Künstler zu sehen, die ich sehen will und die man einfach sonst nirgendwo anders zu sehen bekommt. Außerdem ist die Tatsache, dass man tagsüber Urlaub in der Stadt machen kann und die Festivalatmosphäre nur ab dem späten Nachmittags bis in den frühen Morgen hat, sehr befreiend.

Und dann ist da natürlich das kleine gallische Dorf HALDERN, das im Prinzip angetreten ist, um sich mit dem oben stehenden Essay erst gar nicht beschäftigen zu müssen, da dieses Dorf erst gar nicht angefangen hat, den Eindringlingen Widerstand zu leisten und trotzdem unbeugsam geblieben ist.

Im elften Jahr schreibe ich nun über das Festival. Einige Male habe ich zugegebener Weise daran gedacht, die Waffen den Römern zu Füßen zu legen. Aber, und um in der Asterixwelt zu verharren, würde auch ich nun verleugnen und bewusst teilnahmslos (wie Majestix) fragen:

"Alesia? Ich kenne kein Alesia! Ich weiß nicht, wo Alesia liegt! Niemand weiß, wo Alesia liegt!"

Denn während viele Musikfestivals schon lange zum Scheitern verurteilt waren, haben die klugen Halderner fast immer alles richtig gemacht. Das beweist auch einmal mehr das endgültige Line-Up des Jahres 2018! Denn während  auf den unterschiedlichsten Festivals immer wieder die gleichen Künstler auftreten, der FESTIVAL GUIDE das unüberlegt (und auch zum letzten Mal) damit begründet, dass Newcomer kaum noch eine Chance haben und natürlich die Veränderung der Musikkultur häufig als Grund genannt wird und noch schlimmer andere Festivals auf ein „riesiges Kulturprogramm“, setzen „wo man sehr viel machen kann, wo man kreative Dinge gestalten kann und wo auch die Familie eine richtig gute Zeit haben kann“, setzt das HALDERN POP weiterhin auf musikalische Vielfalt und Qualität, ohne dabei ins Bedeutungslose abzudriften und kann nichtsdestotrotz spektakuläre Namen auffahren, die zeitgemäß, relevant und bleibend sind. Es ist ja kein Geheimnis, dass viele Bands, die in der Vergangenheit hier gespielt haben, nun auf den großen Bühnenbrettern dieser Welt stehen.

Und somit sind da die unglaublichen Buchungen, die man kaum irgendwo anders findet (ohne Gewähr, Vollständigkeit und Wertung): DIRTY PROJECTORS, CURTIS HARDING, HOPE, ARIEL PINK, JOHN MAUS, PROTOMARTYR, RIVAL CONSOLES oder THE LYTICS, die Mainstreamer: DEERHOOF, JAKE BUGG, KETTCAR, KEVIN MORBY, KING GIZZARD & THE LIZARD WIZARD, VILLAGERS, die persönlichen Favoriten: SLEAFORD MODS, SEUN KUTI, SAMPA THE GREAT und sogar die unvermeidlichen: PHILIPP POISEL und natürlich auch die vielen interessanten unbekannten und zu entdeckenden Bands. Wenn ich nur bedenke, dass ich aufgrund von persönlichen kollateral Schäden, in den letzten Jahren die Auftritte von SHAME und WHITNEY (beides jetzige erkläre Lieblingsbands von mir) verpasst habe bzw. ich es nicht ins Dorf oder Zelt zum richtigen Zeitpunkt geschafft habe, zeigen diese Möglichkeiten mir persönlich noch die Potenziale auf über die wenig geschrieben wird. Um beide Bands reißen sich die Booker der großen Festivals nun...

Natürlich bleibt die Beurteilung eines Festival Line-Ups eine höchst subjektive Sache, ebenso wie das Booking, welches aber sicherlich mehr schmerzhafte Attribute wie Zeit, Geld und erhöhter Anspruch beinhaltet. Addiert man aber alle ca. 8.000 subjektiven Meinungen der Besucher zusammen, ohne vorher,  wie hier, eine Meinung einzuholen und am Sonntagnachmittag wieder einmal 70 % der Besucher glücklich sind, war alles richtig.

Und da eigentlich ja auch alles gesagt und geschrieben wurde, wenden wir uns doch einfach der Wortherkunft des Wortes FESTIVAL zu, welches wahrscheinlich von festlich stammt. Denn das wird es ganz bestimmt.

Aus der Jimi Hendrix Allee, fünfte Zeltreihe, wartend in großer Vorfreude!

Alan Lomax

Das Haldern Pop Festival findet vom 09.- 11. August 2018 statt

http://haldernpop.com/

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