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www.lomax-deckard.de

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Musik, Kino, Kultur und Radiosendung musikabend 674.fm


Burt Bacharach ADMIRALSPALAST Berlin 14. Juli 2018 - Notizen zu einem legendären Konzert

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 16. Juli 2018, 15:00pm

Kategorien: #Konzerte, #Populäre Musik, #Orchestrale Musik

Photo by Alan Lomax Foundation

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Anmerkung des Autors: Sie lesen einen persönlichen Blog und kein professionelles Kulturjournal! Alle Gedanken und Äußerungen zu diesem Konzert sind absolut subjektiv und haben keinen Anspruch auf journalistische Qualität oder Meinungen anderer! Ich entschuldigen daher auch etwaige Rechtschreib-, Grammatik- oder Interunktionsfehler.

„Für Ignoranz gibt es keine Entschuldigung“, sagte Burt Bacharach in einem Interview mit dem STERN (12. Juli 2008). Ihm wurde beschrieben, wie eine Kandidatin der US-Talentshow AMERICAN IDOL „Yesterday“ von den Beatles sang und dann sagte: „Tolles Lied, hab ich noch nie gehört, geile Melodie, echt eine totale Entdeckung.“

Leichtigkeit ist das Gegenteil von Schwere, es bedeutet aber auch Mühelosigkeit und Unbekümmertheit. Unbekümmertheit wird gerne mit Naivität verbunden. Die Bedeutung des Wortes Mühelosigkeit, wird wiederum  auch damit verbunden, dass etwas mit großer Anstrengung unternommen wird.

There'll be joy and there'll be laughter. Something big is what I'm after now. Yes, it's what I'm after now (Song Something Big, Burt Bacharach and Hal David)

Die Rezeption der Musik und des Werkes von Burt Bacharach ist scheinbar leicht = easy = Easy Listening = eine fürchterliche Begrifflichkeit  für ein musikalisches Genre, welches keinen Zusammenhang darstellt und neben der peinlichen Retro-Note, eine gewisse Gedankenlosigkeit, ja Unbekümmertheit suggeriert.

Der Schlüssel zum Verständnis für solche Zusammenhänge ist natürlich noch nicht gefunden worden. Und auch ich werde die Tür nicht komplett aufstoßen können, muss aber aus rezeptionsästhetischen Gründen und meiner persönlichen Musiksozialisation, diesen Bericht zu dem BURT BACHARACH KONZERT so beginnen, wie er beginnt...

Oh yes, let them begin the Beguine, make them play (Cole Porter, 1935)

…denn im Fall des inzwischen 90-jährigen US-amerikanischen Pianisten und Komponisten muss ich wirklich nicht von der Zielsetzung seiner Musik sprechen.  Es geht im Prinzip um die persönliche Wahrnehmung die sie auslöst. Und die wird nach diesem Abend bei jedem Einzelnen der dabei war, wohl nachhaltig sein und noch in vielen Jahren epochale Gedanken auslösen.

Um das Werk und die zeitlose Bedeutung von Bacharach zusammenzufassen, muss zum einen die konkrete Musik beschrieben werden und zum anderen die Identität der Wirkung.  Dafür könnte man, dass für mich persönlich kraftvollste Burt Bacharach Album heranziehen: PAINTED FROM MEMORIES, dass er 1998 mit Elvis Costello aufgenommen hat und wunderbar in der Tradition von BACHARACHS klassischem Werk der sechziger Jahre steht, aber eben mit der stilistischen Überwachung von Costello, auch einfach gesagt: vollendet klingt. Die seufzenden Bläser und Streicher, die wohl besten Backing Vocals aller Zeiten und die allgewärtigen Tendenz nichts zu übertreiben, machen diese Platte nicht nur zeitlos, sondern handwerklich bedeutsam und bewegend.

Wenn man aber bedenkt, dass COSTELLO als wütender Post-Punk, 20 Jahre zuvor die Musikwelt betrat, bleibt es für viele Menschen bestimmt immer noch erstaunlich, dass es zu dieser Kollaboration gekommen ist. Zumindest für die, die wenig mit Orchestraler Musik anfangen können.

Leider ist ELVIS COSTELLO schwer erkrankt, denn es war tatsächlich geplant ihn als Überraschungsgast im Admiralspalast auftreten (Quelle: Berliner Morgenpost) zu lassen. Vielleicht wäre das aber auch zu viel des Guten gewesen. Denn der Kral der Wahrhaftig und des emotionalen ertragbaren war eigentlich bereits nach dem ersten Song „What the world needs now“ erreicht.

„This House Is Empty now“ von der gemeinsamen Platte mit ELVIS COSTELLO, sang der Meister dann alleine, sehr bewegend, berührend und von der Dramatik wohl auch eigentlich gar nicht mehr zu steigern.

Ich persönlich empfinde Fusionen dieser Art (und was für schlimme Kritiken hat dieses Meisterwerk damals bekommen!) nach wie vor nicht als Dilemma oder Wiederspruch. Bei PAINTED FROM MEMORIES ergibt sich nämlich genau die Chance zu entziffern und zu beschreiben, wo der eigene Beitrag beginnt und der Einfluss des anderen endet.  Eine scheinbar  unmögliche Aufgabe, wie Neil Lieberman, im November 1998 aufschreibt. Scheinbar!?

Aber wer ein geduldiges Ohr hat und auch die Beherztheit  über den berühmten Tellerrand zu sehen, wird verstehen, dass Hingabe zur Musik, nichts mit dem Tapfer zur Überschreitung von Grenzen zu tun hat.

Während wir alle in Cocktail-Geplauder verfielen, lief im Hintergrund eine Burt Bacharach CD –ein bewusst kitschiges Element, das mit ironischer Förmlichkeit präsentiert wurde und nicht nur als Seitenhieb auf unseren Elterngeschmack funktionierte– ein Kommentar zu unserer Spießigkeit und Durchschnittlichkeit, sondern auch als Trostpflaster, es sollte uns in die Sicherheit der eigenen Kindheit zurückversetzen und hatte eine wohltunende Wirkung.(Bret Easton Ellis;  aus dem Buch Lunapark)

BURT BACHARACH trat zuletzt in den 1960ziger Jahren in Deutschland mit MARLENE DIETRICH als Orchesterleiter auf. Lange bevor ich geboren wurde. Nun war es wohl das letzte Mal, den großen Mann des amerikanischen Songs zu sehen.

Bacharach wirkt noch immer sehr elegant. Sein Habitus ist wohl am besten mit nobel zu umschreiben. Die körperliche Gebrechlichkeit eines Greises ist natürlich sicherbar, aber auch von völlig unnützlicher informativer Relevanz. Sieht man ältere Fotos von ihm –meist am Klavier, am Strand von Kalifornien, mondän mit seiner Ex-Ehefrau Angie Dickinson oder sehr gut gekleidet im Smoking–  kann man erahnen, dass dieser Mann, ein sehr gutes Leben hat(te). Auch weil er sicherlich ein sehr bodenständiger Typ geblieben ist, der selten zeterte und auch erst 2005 auf dem  Album „At This Time“ politische Themen ansprach…

Das folgende Interview aus dem STERN spiegelt das alles sehr gut wieder:

https://www.stern.de/kultur/musik/burt-bacharach-die-stimme-hollywoods-3858894.html

…und der perfekte Popsong!?

Das ist so leicht dahin gesagt. Denn in dem Zusammenhang müsste man von der Ewigkeit sprechen, die wir alle nicht erleben werden, aber uns nach diesem Sommerabend in Berlin immerhin berufen können.

Wir erleben einen BURT BACHARACH, dem alle Musikliebhaber unterschreiben würden, dass er einer der größten Songwriter des 20 Jahrhunderts ist und somit ein tatsächlich ein legitimer Erbe von COLE PORTER und GEORGE GERSHWIN ist.

MARLENE DIETRICH schrieb in ihrem Buch NACHTGEDANKEN, dass BURT BACHARACH der wichtigste Mann in ihrem Leben war, weil ihm in musikalischer Hinsicht, dass gelungen ist, was JOSEF VON STERNBERG in schauspielerischer Hinsicht gelungen ist. Und sie beschreibt den Komponisten und Musiker BACHARACH als zuverlässig und empathisch. Den Mann den sie sich immer gewünscht hat, aber zumindest als Liebhaber nicht bekommen hat.

Und um den Gedanken der Dietrich aufzugreifen:  Den Zuschauern geht es spätestens ab dem heimlichen Höhepunkt mit dem bombastischsten aller Bacharach Songs: A HOUSE IS NOT A HOME ebenso. Ein 90 jähriger Mann, der stimmlich nicht mehr auf der Höhe ist, sich aber noch auf Welttournee traut, weil er sein Werk selbst als wichtig einschätzen kann und gleichzeitig den grandiosen Kompositionen, seinen Arrangements und seiner Top Studiomusikerband (bestehend aus 11 Musikern und Sängern -die der legendären The Wrecking Crew- in nichts nachsteht) vertrau und diesen Song interpretiert, als wäre es das letzte Mal. Das Publikum spürt das in jeder Phase des Konzertes und lässt sich zu einer quantiativen Weltmeisterschaft der stehenden Ovationen verleiten.  Beim siebten Mal habe ich aufgehört zu zählen. Das nennt man wohl Euphorie!

Sich der Musik und dem Werk von BURT BACHARACH zu nähern, ist mehr als ein Aufzählen von fast unglaubwürdig wirkenden Fakten: Über 70 US-TOP TEN Hits, Filmmusikkomponist und dreifacher Oscargewinner, achtfacher Grammy-Gewinner, Träger des inoffiziellen Nobel-Preis für Musik, Partner des großartigen Hal David. Die Beatles, Sinatra, Elvis Presley, die Streisand, Aretha Franklin und alle anderen singen und sangen seine Songs. Und es sind nicht nur die ewig gestrigen, sondern natürlich auch Brian Wilson, Dr. Dre oder Noel Gallager (Oasis, die Bacharach sogar auf dem Plattencover ihres Meisterwerks Definitely Maybe verewigt haben) und eben Elvis Costello und so viele mehr. 

Dionne Warwick sagte einmal sinngemäß, dass es ja wohl eine Lüge sei, einfach einen Bachrach Song singen zu dürfen, da man dafür, um es gut hinzubekommen, auf eine gottverdammte Gesangsuniversität gehen müsste.

Bacharachs Songs sprengen die Erwartungen von dem was ein Popsong sein sollte.

Komplexe Harmonien und Akkordwechsel mit unerwarteten Wendungen und Modulationen, unübliche Tempi- und Rhythmus-Verschiebungen, in einer Vielzahl von Takten … aber bei ihm hört sich das Ganze so natürlich an, dass du es nicht mehr aus deinem Kopf herauskriegst und nicht aufhörst, es zu pfeifen. (…) Das ist mehr als einfache Popsongs; da gibt es tiefschürfende Erforschungen des Musikmaterials, welches mit der gleichen Sorgfalt und Geduld studiert und bewahrt werden sollte wie manch andere großen Kunstwerke. (John Zorn)

Die Zeitungen, heute nach dem Konzert, überschlagen sich vor Euphorie und Huldigung. Tatsächlich zu recht, wenn man es akademisch und leidenschaftlich betrachtet. Meine subjektive Wahrnehmung ist natürlich eine ganz andere und dieser blog dient ja auch zur persönlichen Archivierung meiner Erlebnisse. Daher verzeihen Sie mir also den nun folgenden Absatz, der so eigentlich nicht an die Öffentlichkeit gehen sollte, aber doch am besten beschreibt für mich beschreibt was ich am Samstagabend erlebt und die Tage zuvor gedacht habe:

Es gibt kaum ein musikalisches Genre welches ich ablehne, solange der Künstler authentisch ist und eine eigene Idee hat. Ich habe alle Phasen der Arroganz, Eitelkeit meiner eigenen Sozialisierung, meines umfangreichen Wissens und meines Geschmacks gegenüber anderen Menschen seit langer abgelegt, mir aber doch eine Sicht und eine Haltung darüber hinaus bewahrt: Nämlich die, der Erhaltung eines eigenen Wertes, als Grund dafür, dass ich mich von morgens bis abends, von Montag bis Sonntags, von Januar bis Dezember und von 1984 bis heute ernsthaft und detailversessen mit dem studieren von Musik und Film und Entertainment im weitesten Sinne POPMUSIK auseinander setze. Den Begriff WERT würde ich daher auch ehr im philosophische Sinne, als innere Bereicherung und der Steigerung der inneren, persönlichen Lebensqualität verstehen. Die übergeordnete Anerkennung ist mir dabei völlig egal, lässt sich aber nicht vermeiden, wenn man den Drang des TUN-SOLLENS hat. Es ist wird ausufernd! …daher muss ich den Gedanken hier stoppen!

Bei allem Gutmenschentum, den Reflektionen über den eigenen Antrieb und den ganzen unverständlichen Gesichtern denen man tagtäglich begegnet, wenn man anfängt von seinen Leidenschaften, nicht von den Werten (das führt zu nichts), zu erzählen, lässt sich dann wiederum auch mit der viel Ignoranz, Allem und Vielen gegenüber, von der Masse Mensch kaum ertragen. Ich habe gelernt, dass da jeder seines eigenen Glückes Schmied ist, aber ich bin regelrecht erschüttert, welches Unwissen und daraus resultierende fehlende allgemeine Bildung, eines Wissen über die Musik oder der Person BURT BACHARACH heutzutage vorliegt und auch über andere Ikonen und Zusammenhängen im Einzelnen, wenn man dieses Interesse modular versteht, weil man selbst daran glaubt, dass sich noch genialere Kunst und die Zukunft immer auf bereits vorhandenen aufbaut. Und es ist zudem ja nicht nur das Unwissen über BACHARACH von Menschen im Allgemeinen, es ist das permanente Desinteresse des überwiegenden Teils der Gesellschaft an allem Schönen und Wahrhaftigen.

Natürlich spreche ich nun nicht von Ihnen, die diese Zeilen lesen und diesem zugegebener Weise ausufernden Konzertbericht und persönlichen Notizen treu geblieben sind. Ich spreche von Karin, Herrn Müller, Torben und Bertold aus der Nachbarschaft. Und von Bekannten aus Büros, Familiezusammenkünften, weitren Bekanntenkreisen, die Musik nur noch aus dem Radio hören oder sich alberne Playlisten bei irgendwelchen Streamingdienstanbietern anlegen und nicht verstanden haben, dass dort Menschen hinter dieser Kunst stehen, die eine Ambition haben oder doch zumindest einen Beruf ausüben möchten, der sich mit Musik beschäftig und den man so oder so respektieren sollte. Dabei werden dann nicht mal 95 % des gesamten zugreifbaren Potenzials dieser riesigen Musikdatenbanken genutzt. Sondern das gehört was in Vorschlägen der Dienste gefeaturt wird. Oder es wird z. B. eine Playlist „Running“ oder "Staubsaugen" angelegt. Deren Inhalt Songs mit > 125 BPM sind, aber keinen menschlichen Geist vertreten, sondern nur die Tätigkeit beschreiben, bei der die Musik in den Hintergrund tritt und nur als Score genutzt wird! Alles ok! Verstehen Sie mich nicht falsch! Aber die Konsequenz daraus ist es eben, dass so in der Masse und ja letztendlich auch auf die Auswirkung auf die Industrie Genies keine Chance mehr haben werden und der menschliche, künstlerische und aussagefähige Faktor in der Musik immer mehr leidet bzw. wahrscheinlich stirbt. Sicher man kann immer ALLES anderen MENSCHEN vorwerfen, aber im Kontext dieses Artikels ist meine Angst, dass durch das rumwühlen im eigenen Mist, der größte Teil der Menschheit bald vergisst, wer die wirklichen wichtigen Wörter, Farben, Schnitte, Motive und Noten zusammengetragen hat. Die Offenheit neue Dinge für sich zu entdecken, ergeben sich meist aus bereits vorhandenen. So zumindest war es bei der ersten Renaissance der sog. Easy-Listing-Kultur vor ca. 20 Jahren als Labels und Bands wie BEAR FAMILY oder BUNGALOW, STEREOLAB oder THE HIGH LLAMAS, die alten Helden wie Bacharach und andere wieder entdeckten und so völlig neue Genrestrukturen und musikalische Strukturen möglich wurden und die Musik von neuen Generation adaptiert wurde.

Die Ableitung aus der Tatsache des Stillstandes und der Ignoranz und der somit nicht umgesetzten Weiterführung von künstlerischen Wiedergeburten (was früher mal durchaus kritisch gesehen und diskutiert wurde, nun aber immer wichtiger wird)  ist fatal und es beginnt eine ganze komplexe Subkultur in den Abgrund zu treiben und lebensbejahende, optimistische Menschen wie mich mit misanthropischen Weltanschauungen auszustatten. Denn ich habe in der Vergangenheit gelernt: Begibt man sich auf diesen dunklen Pfad, wird man schnell einsam oder man wendet sich der dunkeln Seite der Macht zu.

Verlässt man diesen Pfad und öffnet sich, gründet einen Blog, schreibt über seine Interesse und Leidenschaften, erfreut sich über die guten Menschen in seinem Umkreis, die offen und Empathisch genug sind auch einmal nachzufragen und gönnt sich dazu noch die Teilnahme an einem total großartigen Radiosender www.674.fm und einer eigenen Radioshow, versucht den Leuten zu erklären, z. B. denen die noch nie von einem BURT BACHARACH gehört haben, was einem das selbst bedeutet, schreibt nächtelang an solchen Berichten rum und überlegt gleichzeitig, was es der Welt vielleicht bringen könnte, von einem Mann wie BACHARACH,  seinem Leben, seiner Musik, seiner Kunst und seinem Anspruch zu lernen, wird man doch häufig selbst abgelehnt. Wahrgenommen, aber doch abgelehnt, mit der ständigen selbstreflektorischen Frage: Warum? ...

There are oceans and rivers, Enough to cross, enough to last till the end of time, What the world needs now is love sweet love, Its the only thing that there's just to little of, What the world needs now is love sweet love,
No, not just for some but for everyone, Lord, we don't need another meadow, There are cornfields and wheat fields, Enough to grow...(Burt Bacharach; What The World Needs Now)

 

...und was ist noch ein Grund dafür, dass Bacharach an diesem Abend, dass erste Mal in Deutschland spielt? Nun er sagt es selbst: Er ist nie gefragt wurden!!! Kein Booker, keine Konzertagentur, kein Festival ist auf die Idee gekommen, ihn einzuladen. Er sagte selbst, dass er sonst schon sehr viel früher nach Deutschland gekommen wäre. Man muss sich das einmal vorstellen! Unglaublich! Unglaublich!!! …

Vielen Dank an dieser Stelle an den Berliner Veranstalter „Karrera Klub“

…und das in Deutschland! Einem Land, welches die einfache Melodie, die der Kunst Bacharachs nachgesagt wird und die er auch selbst als das wichtigste Attribut in der Musik bezeichnet, immer bevorzugt hat. Angefangen bei unterirdischen Operetten, einer gewissen Affinität zum Volkslied und zum Marsch und zum Schlager. Das ist überhaupt nicht wertend gemeint, sondern durchaus interessant als Feststellung, insbesondere wenn man sich einmal via youtube in die amerikanischen und deutschen TV-Shows der 1970ziger zurückbeamt. Schnell stellt man fest, dass die Ansätze, die Ästhetik und der Anspruch an Unterhaltung sehr ähnlich zwischen den Nationen waren. Auch wenn die Amerikaner natürlich immer das Vorbild geliefert haben und Deutschland niemals einen Sänger/Crooner wie z. B. ANDY WILLIAMS oder Entertainer wie Sammy Davis Jr. hatte, aber immerhin gute Orchester wie z. B. James Last oder Autoren und Komponisten wie Peter Thomas oder Irmin Schmidt etc.

Natürlich bin ich sehr glücklich, wenn ich mir am Samstag die Menschen, also das Publikum ansehe, welches rein äußerlich gesehen, eine riesige Bandbreite und einen Querschnitt von soziodemografischen Punkten und Lebenswelten darstellen. Die Euphorie war grenzenlos, die Anspannung vor dem Konzert und die Erwartung kolossal und die Entladung und rührende Liebe zum Künstler und seiner Kunst, wahrhaftig von beeindruckender Wucht. Ich persönlich habe in den letzten Jahrzehnten wirklich viele Konzerte gesehen und die Aufzählung von lebenden Künstlern die noch auf meiner MUST SEE Liste steht wird immer dünner. Das gebe ich zu! Unvergesslich, neben vielen sensationellen Pop- und Rockkonzerten in Clubs und auf Festivals (Sie können es auf diesen Seiten nachlesen) sind dann aber doch die großen Protagonisten ihrer Zeit.

Brian Wilson, Lalo Schifrin, kürzlich Jane Birkin oder Ray Charles fallen mir da ganz spontan ein. Natürlich auch ein David Bowie oder Lou Reed. Viele andere auch. Aber ein Namedropping tut nicht wirklich zur Sache bei, um die Frage nach der Unbekanntheit eines Burt Bacharachs im Mainstream zu beantworten. Denn es sind eben nicht nur die Namen oder die Erlebnisse und Erinnerungen eines Einzelnen, es ist auch nicht die persönliche übersteigerte Geisteshaltung zum Thema Musik und Film. Denn natürlich kann so ein Wert auch Interesse für Sport, die Literatur oder das Gartenhaus sein. Ich will das überhaupt nicht Frage stellen,  aber in diesem Fall ist es für mich persönlich die Musik und die Zeit die Burt Bacharach repräsentiert und mir damit eine Erinnerung an meine Kindheit, an meine Eltern und Geschwister, an meine ersten im Kopf hängen geblieben Melodien, an meine neuaufkeimende Leidenschaft für Filmmusik und Melodien im Zusammenhang mit einer großen Männerfreundschaft, ohne Eitelkeiten und mit viel Ehrlichkeit, in Gedanken an meine tolle Frau (die sogar 90 Minuten mit mir am Bühnenausgang nach dem Konzert, hinter dem Admiralspalast ausharrte um ein Selfie mit mir und Burt zu ergattern, was uns nicht einmal Ansatzweise gelungen ist), an meine Kinder bei deren beiden Geburten ich nur eine Platte gehört habe: nämlich Painted from Memory und mein eigenes Leben und meiner Persönlichkeit, welches immer eine gewisse Ambivalenz gegenüber vielen Dingen gehabt hat, aber der Musik auch  immer noch  für den Faktor hält, der Entscheidend dafür ist, dass Menschen Glücklich sind, in Frieden und Harmonie miteinander leben können. Burt BACHARACHS Kompositionen sind der tatsächliche SOUNDTRACK MEINES LEBENS. Seine Musik und sein Ansatz beschreibt am besten meine Einstellung zu fast allen Dingen und ist gleichzeitig ein enorm erfolgreiches Mittel zur HEILUNG. Aber auch dieses Wort ist viel zu klein.

Denn wie Gott, der ja scheinbar der Erfinder der HEILUNG ist und man nicht genau weiß, ob der das wirklich kann, ist BACHARACH gleichsam mit seiner Musik für diesen Moment der Heilung in seinen Kompositionen gerüstet, jeder Ton, jede Melodie, jeder Break und jeder Takt erzählt eine größere Geschichte. Wenn man diese Momente erst entdeckt hat, die einem eine Sichtweise offenbart und eine Form für die oftmals schwer zu erklärende persönliche Welt, versteht man selbst erst, wie groß diese Form sein muss, sich mit diesem musikalischen Genie als Künstler ausdrücken zu können und diese Musik hören zu dürfen.

Alan Lomax

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