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LAZARUS von KING DAVID BOWIE, Schauspiel Düsseldorf, 04.März 2018

Veröffentlicht von John Ross Ewing auf 12. März 2018, 12:22pm

Kategorien: #Populäre Musik, #Konzerte, #Kommunikation

LAZARUS von KING DAVID BOWIE, Schauspiel Düsseldorf, 04.März 2018LAZARUS von KING DAVID BOWIE, Schauspiel Düsseldorf, 04.März 2018

Unser Freund und Außenreporter JOHN ROSS EWING war in Düsseldorf bei einem fantastischen Abend in Düsseldorf:

 

Ein David Bowie Abend in Düsseldorf, ein Musical, das am Broadway gefeiert wurde, ein Titeltrack, der alle Endlichkeit und immer wieder Hoffnung - dann aber die Zerstörung dieser - beinhaltet. Mit LAZARUS hat Bowie den Tod angenommen, ihm nachgegeben, seinen persönlichen Killer Song geschrieben.

 

Ich versuche, dies nicht als Theaterkritik zu schreiben, sondern meine eigene Idee dieser jahrzehntelangen Illusion zu formulieren. Wenn Sie mögen, lesen Sie dazu auch noch meinen Nachruf.

 

http://www.lomax-deckard.de/2016/01/king-david-bowie-1947-2016-forever-changing-sound-and-vision.html

 

Anders kann ich es auch nicht. Ein Freund des Musicals werde ich nie, 95% sind einfach zu schlecht, zu anbiedernd, zu gefällig, zu seicht - eben alles was man auch an Charts-Musik so hassen kann. Bei King David Bowie muss es für dieses Genre eine Ausnahme geben, man muss sich damit auseinandersetzen. Zudem wurden die Inszenierungen durchaus international abgefeiert. Das Stück wurde von ihm gemeinsam mit Enda Walsh geschrieben.

 

Ich will auch erwähnen, dass ich nun zum dritten Mal innerhalb von zwei Wochen zu kulturellen Veranstaltungen in Düsseldorf war. Das ist sonst gar nicht nötig, wenn man in Köln wohnt, aber jetzt war es wichtig. Robert Wilsons "Der Sandmann" ist eine sensationelle Inszenierung, die ich nur empfehlen kann, ein audiovisueller Erguss mit Tiefe und den Mitteln des Punk. Nicht musikalisch, das kommt von der tollen Anna Calvi, arrangiert von Jherek Bishoff, aber das Licht und die tollen Schauspieler sind Riot, Aufwühlung, Manie.. Das Schauspiel in Düsseldorf hat gerade den Vibe! Chapeau! Dazu Kid Franscescoli with Julia im PONG, bester französischer Charme in einer Lounge in der Modestadt am Rhein. Und nun LAZARUS in Düsseldorf, nach New York und London der dritte Aufführungsort.

 

LOOK UP HERE, I'M IN HEAVEN

 

David Bowie hat mit der Inszenierung seines Musicals einen persönlichen Abschluss geschaffen und man kann es so interpretieren, dass sich alle Kreise für ihn geschlossen haben. Die von ihm dafür ausgewählten Songs aus seinem Lebenswerk fügen sich unfassbar zur finalen/vollendeten Erzählung der Story aus "Der Mann, der vom Himmel fiel" zusammen. Als hätte er immer darauf hin gearbeitet und schon früh seinen musikalischen Zirkel darauf ausgerichtet. Man kann auch sagen, er hat es sich leicht gemacht, weil Raum und Zeit hier gar keine Rolle spielen. Bowie wusste zu Entstehungszeiten des Stücks schon länger, dass er Krebs hat. Und er war seit den damaligen Dreharbeiten mit Nicolas Roeg besessen von der Figur des Thomas Jerome Newton, so hat er es ausgedrückt. Thomas Newton ist unfähig zu gehen, kann nicht sterben, und Bowie ist mit der tragischen Krankheit geschlagen. Vielleicht ist es ihm gelungen, mit Lazarus ein Werk zu veröffentlichen, dass seine eigene Vita nochmals abspult bevor es zu Ende geht, der Fokus liegt allerdings auf Rastlosigkeit, Entfremdung, Verwandlung und Identitätsfindung.

 

THE MAN WHO SOLD THE WORLD

 

In Roegs Film kommt Bowie als Alien Thomas Newton auf die Erde, um Wasser für seinen Planeten zu generieren. Mit Patenten wird er reich und von der kapitalistischen Welt vereinnahmt. Sein Drang, die Familie auf seinem Planeten wieder zu sehen und die Erde zu verlassen, wird schließlich von korrumpierten Ärzten medikamentös verhindert. Mit der Unfähigkeit, diesen Schritt zu gehen, landet Newton in absoluter Leere und Hilflosigkeit, seine Liebe ist verloren. "No plan" und "Love is lost", eben, die neueren Stücke untermauern das. Hans Petter Melo Dahl verkörpert den Thomas Newton mit Kraft und Authentizität, zudem mit der notwendigen und gebotenen Traurigkeit. Das Bühnenbild ist mit kraftvollen Bildern auf zwei Riesenleinwänden opulent ausgestaltet, eine Live Kamera sorgt für intensive Untermalung der Charaktere und fängt einige Randhandlungen mit ein, so dass man sich schon konzentrieren muss, um alles Gebotene zu erfassen. Wirklich großartig!

 

Dann keimt die Hoffnung auf. Ein wie auch immer echtes oder imaginäres GIRL, gespielt von Lieke Hoppe, bravourös trotz gebrochenem Zeh, tritt auf den Plan. Sie begleitet ihn fortan bis zum Ende. She's a lost soul, der Geist eines ermordeten Mädchens.

 

LIFE ON MARS? ABER SICHER!

 

Zunächst Changes? The GIRL says so. Turn and face the strange! Erinnerungen an die Berliner Phase werden implementiert das Video zu "Where are we now" läuft im Hintergrund, wir erinnern mit. An den Dschungel, die Nürnberger Straße und den Potsdamer Platz, die vermeintliche Revue zur Standortbestimmung hilft Newton nicht weiter.

 

I am absolutely sane. Das wird hier dem Song "Absolute Beginners" vorangestellt. Und ist natürlich nur im Sinne der Hoffnung richtig für Newton. Seine in ihn verliebte Assitentin und das imaginäre Girl können aber die Tiefschläge und Zweifel nicht entkräften. Killing a little time! Aber das Wissen um einen anderen Planeten, das Newton zunächst nicht zu teilen versucht, weckt das Interesse eines herausragenden Charakters dieses Stückes. Musikalisch ist zuvor Lieke Hoppes Performance von "Life on Mars?" die herausragendste Leistung an diesem Abend. Und die freakiest show wird dazu derart überzeugend geboten, das es eine pure Freude ist.

 

VALENTINE'S DAY

 

Womit wir bei Valentine wären. Der bösartige Killer und Messerstecher mordet sich durch das Stück, als friendly transgender biedert er sich an, der ewig Ungeliebte. Andrè Kaczmarczyk verkörpert die Kraft des Bösen sensationell, inszeniert als eine Art Brian Eno zu Roxy-Zeiten mit Rabenflügeln und 20 cm Plateau Heels. Vielleicht ein Thin BLACK Duke from Hell. Die herausfordernde und laszive Boshaftigkeit von Valentine läuft einem tagelang nach. Was für ein Auftritt

 

Newtons Assistentin Elly (ebenfalls hervorragend: Rosa Enskat), die sich von ihrem Mann abgewendet hat, von Valentine manipuliert wird und nun auch keine Hoffnung mehr auf ihren Alien hat, resümiert eben das in "Always crashing in the same car" aus Bowies 1977er Album LOW. Dunkel und desillusioniert.

HELDENhaftes FINALE

 

Das GIRL wird von Newton im von Valentine erzwungenen Affekt oder finaler Hoffnungslosigkeit getötet. So will das niemand sehen, aber es ist unausweichlich. Wenn die beiden vorher Heroes just for one day sind, wartet man förmlich schon auf einen Schuss an der Mauer.

 

Vielleicht kann man sagen, dass King David Bowie dieses Musical genutzt hat, um sich final nochmals mit all den von ihm geschaffenen Charakteren zu vereinen. Eine endgültige Identifikation wird vollzogen. Wenn es wirklich so ist, dass er am Charakter Newtons so sehr hing, dann ist es eine reife Leistung mit der Raumkapsel im Theater gen Himmel aufzusteigen. So hat die Inszenierung ein ganzes Leben bestimmt und das von unfassbar vielen Menschen beeinflusst. Das von Elly und das von uns.

 

Moondust will cover you!

 

John Ross Ewing

 

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