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FARGO - Staffel 3

Veröffentlicht von Rick Deckard auf 18. März 2018, 21:55pm

Kategorien: #Fernsehen

FARGO - Staffel 3

Geschichten zu erzählen ist schwer, welche zu erfinden noch viel mehr.

Man kann den Druck förmlich spuren, dem die Autoren des Formates "Serie" ausgesetzt sind. Es gilt schliesslich den Zuschauer bei der Stange zu halten und Einschaltquoten zu garantieren. Eine Staffel muss gefüllt, eine neue Geschichte erzählt und neuartige Charaktere erschaffen werden.

Erzähl mir eine Geschichte mit Anfang und Ende

Die Geschichte ... .

Um vielleicht eine Brücke zu dem (grossartigen) Artikel von Alan Lomax, Michael Hanecke und der LitCologne zu schlagen: Ich liebe es nicht, nein, ich hasse es, als Zuschauer im Regen stehen gelassen zu werden. Um es eindeutiger zu formulieren: Kino und Fernsehen sind keine Kunst, sondern Unterhaltung. Zu einer guten Unterhaltung gehört es den Zuschauer zu locken, ihn bei der Stange zu halten und am Ende befriedigt wieder zu entlassen. Interpretationen sind nicht sein Ding. Ein gute Geschichte hat einen verheissungsvollen Anfang, steuert auf einen Höhepunkt zu und löst am Ende die Handlungsstränge auf.

Alles andere ist Betrug!

Ich kann nicht konkreter werden, da ich sonst zu viel verraten würde. Wo bleibt die Katharsis? Bereits am Ende der 2. Staffel von Fargo wurde ich enttäuscht und die, nennen wir es beim Namen, "Verarschung" wird am Ende der 3. Staffel fortgesetzt.

Dabei beginnt die 3. Staffel originell, FARGO beginnt in Ost Berlin! Allein die Kamerafahrt zu Beginn macht Lust auf mehr. Diese Eröffnung bleibt im Gedächtnis des Zuschauers haften und fortwährend wird er an den Anfang erinnert: Hoffentlich (!) wird der Anfang am Ende aufgelöst.

Wird er aber nicht.

Der Anfang vom Ende ist auch nicht viel besser. Man merkt wie schwer es den Autoren gefallen ist, zu einem Ende zu kommen und dort, wo Talent und Originalität fehlen, nutzen die Macher einen einfachen, aber billigen Trick: Sie lassen es offen und überlassen es dem Zuschauer die Geschichte weiter zu spinnen.

Das ist schwach und Ausdruck mangelnden Könnens.

Ich will ein erstklassiges mehrgängiges Menü von Anfang bis zum Ende serviert bekommen und mir nicht nach dem vorletzten Gang ausmalen, wie wohl der Nachtisch aussehen und schmecken würde ohne ihn serviert zu bekommen.

Ich will ein Fußballspiel 90 Minuten sehen und dann die Gewissheit haben, über Sieg, Niederlage oder Unentschieden. Kein Mensch käme auf die Idee ein Spiel nach 80 Minuten zu beenden und dem Zuschauer nach einem packenden Zweikampf über die fast volle Länge zu sagen: Wir hören hier an dieser Stelle auf, kannst Dir selbst Gedanken darüber machen, wie das Spiel wohl ausgehen könnte!

Die Macher von Fargo 3 haben in dieser Beziehung kläglich versagt.

Aber es wird noch einmal schlimmer, bevor es besser wird

Ewan McGregor, unzweifelhaft ein Schauspieler, den ich wirklich schätze, ist in der Doppelrolle eine der besten und sensationellsten Fehlbesetzungen aller Zeiten! Da helfen auch eine Dauerwelle und eine schlechte Frisur mit Bauch nichts. Der Schauspieler ist viel zu smart um die von ihm dargestellten Charaktere zu spielen, vollkommen unglaubwürdig und zudem äusserst schlecht gespielt.

Doch genug gemeckert, kommen wir zu einem absoluten Highlight der 3. Staffel und ein Beispiel für die gelungene Entwicklung neuer Charaktere:

FARGO - Staffel 3

V.M. Varga

Seien wir doch einmal ehrlich! Sind es nicht die neurotischen Charaktere, die uns faszinieren? Diese verschrobenen, anstrengenden, fantasievollen, lebendigen Menschen, die so gar nicht in ein vorgefertigtes Muster passen wollen? Überlegen Sie einmal genau: Diese Menschen gibt es auch in ihrem Alltag! Sie sind schwer umgänglich, unnahbar und doch verstehen sie es einen für sich einzunehmen. Nicht neurotische Menschen finde ich persönlich furchtbar langweilig und meist sind sie es auch.

V. M. Varga - ich muss es kurz einschieben: David Thewlis hat Kultstatus erreicht - ist einer der faszinierendsten Charaktere der jüngeren Fernsehgeschichte. Hier muss man den Autoren ein riesiges Lob zollen, denn was die Erfindung von Charakteren angeht, so sind die Autoren der FARGO Reihe äusserst innovativ. Man denke an den von Billy Bob Thornton gespielten Charakter der ersten Staffel - famos!

Merkwürdigerweise werden genau diesen Charakteren erstklassige und v.a. tief schürfende Dialogzeilen in den Mund gelegt und genau diese Art Typen reflektieren auf unnachahmliche Weise die Welt in der wir leben. Man denke an Thornton, wie er in der ersten Staffel soziologische Betrachtungen im Motel anstellt.

Trenchcoat, schlechte Zähne und eine Essstörung. Mehr braucht es nicht um V. M. Varga lebendig zu machen. Wir wissen nicht genau, wer er ist, woher er kommt, woher seine Leidenschaft für Beethoven rührt und warum ein Bildnis von Stalin in seinem Laster hängen hat. Aber er fasziniert uns von Anfang an und der Grund dafür, auch wenn er abgrundtief böse sein mag, ist die Ruhe und Souveränität, die er ausstrahlt. Er geht zielgerichtet seinen Weg, kennt keine Skrupel, keine gesellschaftlichen Normen und verfügt über einen erst auf den zweiten Blick unglaublich perfiden Humor.

​​​​​​​Der klassische Soziopath mit psychopathischen Zügen.

Sensationelle Leistung von David Thewlis, er hätte für den Oscar nominiert werden sollen!

Am Ende soll ein jeder friedlich seines Weges gehen und wenn auch alle Staffeln in sich geschlossene Geschichten (!) darstellen sollen: Es verbleibt vielleicht ein klein wenig Hoffnung, dass das Ende von Staffel 3 einen Cliffhanger darstellen könnte.

Wenn nicht: F U!

​​​​​​​Aus Minnesota,

Rick Deckard

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