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MINDHUNTER (Netflix) – David Fincher / Joe Penhall

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 30. Oktober 2017, 13:52pm

Kategorien: #Fernsehen

MINDHUNTER (Netflix) – David Fincher / Joe Penhall

„MIND HUNTER: Inside the FBI’s Elite Serial Crime Unit“, ist ein bereits in den 1980ziger veröffentlichtes  Buch der FBI-Agenten John Douglas und Robert Ressler. Beide Agenten sind bereits in den 1970ziger Jahren der Frage nachgegangen: „Wie kommen wir den Verrückten zuvor, wenn wir nicht wissen, wie die Verrückten denken?“.

Profiling also, ein Thema, welches im Zusammenhang mit dem HANNIBAL Buch, Film, Serie fast zu Popkultur geworden ist. Und letztendlich hilft zetern, schimpfen und jammern nicht. Denn die Frage nach dem WARUM? ist immer noch die, die in der gesamten weltweiten Unterhaltungsindustrie am meisten konsumiert wird bzw. wie es die DIE ZEIT sehr schön formuliert hat: DIE SUPERFORMEL FÜRS Glück und ich ergänze gerne; …der Unterhaltungsindustrie und des Konsumenten.

Heute mag es gar nicht mehr so krass wirken, dass wir uns mit den psychologischen Auswüchsen von Serienkillern und bekanntgewordenen Psychopathen beschäftigen. Geht man aber mal kurz in sich, sollte man sich doch ab und zu fragen, was dieses Thema mit einem macht!?

Die beiden Protagonisten in der Serie MINDHUNTER, die das Thema gekonnte aufnimmt und schließlich fast zum künstlerisch, nachvollziehbaren Ende führt, erzählt die Geschichte der beiden fiktionalen Agenten John Douglas und Robert Ressler. Übrigens genial unbekannt, besetzt mit Jonathan Groff und Holt Mc Callany, die nur Kennern bekannt sein dürften. Natürlich nach dem alt bewährten Cop-Prinzip und auch erstmal recht stereotyp wirkend. Aber nach und nach als Geschenk an unseren Verstand und unsere Empathie zu verstehende Besetzung. Wobei Groff erstmal recht schüchtern und zurückgezogen wirkt, sich aber anschließend vollends übernimmt und an seinem Hochmut scheitert. Der etwas ältere Schauspieler Mc Callany, bekannt aus zahlreichen Horror- und Trasherfilmen, ist so etwas wie ein weißer Laurence Fishburne, der bereits in der Fernsehserie HANNIBAL den Jack Crawford gab und deshalb nicht erneut besetzt werden konnte, es aber bestimmt geworden wäre.

Showrunner JOE PENHALL hat sein Talent bereits bei dem Film THE ROAD (Screenplay) bewiesen und fährt mit DAVID FINCHER als ausführenden Produzenten und Regisseur von drei Folgen, einen der besten lebenden Regisseure der Welt und für mich persönlich auf.

Fincher fühlt sich in diesem Genre wohl und lässt die Distanz zwischen Zuschauer und Monster unangenehm schmelzen. Es gibt einige Sequenzen in den Folgen, bei denen man froh ist, dass Bill und Holden da sind und auf einen aufpassen, obwohl sie bei ihren ersten Interviews mit den Killern auch heillos überfordert sind und später immer wieder auf ihre Grenzen stoßen werden.

Es ist auch der Charme der Zeit der 1970ziger, der Aufbruchs eines völlig neuen Themas beim FBI und die Auseinandersetzung der Protagonisten mit dem Thema auf beruflicher und persönlicher Ebene, die der Serie mit neuen erzählerischen Perspektiven gut tut, sie zu einem kleinen Juwel macht.

Und man könnte nun meinen, dass Fincher und Penhall genau an diesem Grat scheitern, weil sie sich dem ewigen gleichen Dilemma von Hauptfiguren in schwierigen Situationen hingeben. Bestes Beispiel Brat Pitt als David Mills, der sich Copmässig in seinen Fall verstrickt und alles zu persönlich nimmt, bis hin zum Eingriff in seine private Sphäre, bis hin zum Teil der Geschichte in SEVEN.

Klar, dort war das Programm und auch ich verstehe diesen Film als einen der Besseren der letzten 20 Jahre und vielleicht setzt die Serie da an wo Fincher glänzte und Mills scheiterte;-)

Nach Seven lieferte uns Fincher noch das Meisterwerk ZODIAC – Die Spur eines Killers der aber nicht all over all gut ankam. Unverständlich für mich, denn Fincher zeigt in diesem Film, seine unfassbare Erzählkunst bis zum Ultimo. Er nimmt sich selbst in dem Film zurück, tendiert zur Dokumentation, was zur Folge hat, dass das Meisterwerk von 2007 für viele Zuschauer und Kritiker zu distanziert wirkte, zu verfahren in der Erzählung. Vielleicht etwas enttäuscht zog sich der Regisseur dann zurück legte mit BENJAMIN BUTTON eine sogenannte Herzensangelegenheit vor und mit THE SOZIAL NETWORK und vor allem GONE GIRL zwei weitere außergewöhnlich gute Filme.  Politisch subversiv kam er dann mit HOUSE OF CARDS und schließlich jetzt mit MINDHUNTERS zurück zu seinem Lieblingsthema.

Und Sie merken es bereits, es ist die große Show eines großen Regisseurs dem ich hier verfallen bin. Es ist einfach bombastisch zu sehen uns als Zuschauer zu zeigen, welche erzählerischen Ansätze er weiterverfolgt. Denn die Möglichkeiten des Sujets sind mannigfaltig. Herkömmlich ist das alles nicht und ich will auch nicht zu viel erzählen, denn das spoilern tut dieser Serie überhaupt nicht gut.

Lassen Sie sich darauf ein. Der Erzählfluss ist phänomenal. Die Bilder atemberaubend düster bis mikroskopisch historisch und streckenweise bahnbrechend. Insbesondere das Spiel mit Schrift, Verweisen und Design, Autos, Kleidung, Sprache und Ausstattung sind auf absolut gehobenen Niveau, sowie Spannung und Unterhaltung bis zum erträglichen Kintop gegeben. Wobei man die Serie getrost mit seinem Kleinkind sehen kann, da kaum menschenverachtende Brutalitäten gezeigt werden, sondern nur darüber gesprochen wird. Reines Kopfkino, zumindest was die Textur des Themas angeht. Verantwortung für diese Aussage übernehme ich übrigens nicht…

Die zweite Staffel hat Netflix glücklicher Weise bereits bestellt. Was Sie daraus machen, bleibt Ihnen überlassen.

Aus Quantico

Alan Lomax

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