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Musik, Kino, Kultur, Radio


Erinnerungen an Roger Moore

Veröffentlicht von Rick Deckard auf 28. Mai 2017, 13:55pm

Kategorien: #Filme

Erinnerungen an Roger Moore

HELD

Eine Gestalt oder eine Person, die sich durch großen Mut und außergewöhnliche Taten auszeichnet.

1979, Hannover.

Das "Weltspiele" Kino (nebenbei: Was für ein Name für ein Kino!). Ein klassisches altes Kino mit großen samtenen Vorhängen, gewölbter Leinwand und weichen, plüschigen Sesseln mit einem grossen Balkon. Der Besuch eines Kinos im Alter von 12 Jahren war (und ist vermutlich auch heute noch) ein grosses, aufregendes Erlebnis. Zu der damaligen Zeit kostete der Eintritt 5 DM. Für einen Schüler in diesem Alter war das viel Geld. Man durfte für diesen Eintrittspreis in den ersten 5 Reihen Platz nehmen.

JAMES BOND -  MOONRAKER

Eine Gestalt nur bekannt vom Hörensagen und den Erzählungen der Eltern. In früheren Jahren wurde der Zuschauer vom Eingang des Kinos bis zur Kasse in einem Gang entlang geführt. Rechts und links an den Wänden hingen zumeist grossformatige Poster mit Szenen aus dem Film hinter Glas.

Wow! Was für ein cooler Typ im Smoking und wie lässig er die Pistole hält! Wie gut er aussieht! Wie smart. Die Vorfreude steigt.

Das Licht verdunkelt sich, die Gardinen werden wie von Zauberhand zu Seite gezogen. Es beginnt eines der grössten Kinoabenteuer aller Zeiten mit einem der grössten Helden aller Zeiten:

James Bond.

007.

Der Start eines bis heute anhaltenden Kults!

Großer Mut und außergewöhnliche Taten. Die Bond-Filme zeichnen sich durch ein Charakteristikum aus: Der Titel-Sequenz ist eine kleine Geschichte vorangestellt, die in den Film einführen soll und zumeist sehr actionlastig ist. Bond sitzt in einem Jet und küsst eine Stewardess. Binnen Minuten wird klar, dass er in eine Falle getappt ist. Der Pilot verlässt das Flugzeug mit einem Fallschirm, Bond steht vor einer ausweglosen Situation. Wagemutig stürzt er sich aus dem Jet (!) und versucht den Piloten und seinen Schirm irgendwie zu erhaschen. Die Bond-Melodie setzt ein. Plötzlich bemerkt er hinter ihm einen riesigen Kerl mit einem Stahlgebiss ... .

Die sogenannte Pre-Titel-Sequence zu Moonraker ist eine der spektakulärsten Actionszenen aller Zeiten! Nun stellen sich einen 12-jährigen vor, der das zum ersten Mal in dieser Geschwindigkeit und Dynamik im Leben sieht. Sensationell!

Doch damit nicht genug, es folgt ja noch einer der romantischsten und schönsten Bond Songs ever, stimmgewaltig gesungen von Shirley Bassey.

Das war die erste und intensivste Begegnung mit einem der grössten Kinohelden überhaupt:

R O G E R  M O O R E

Für einen 12-jährigen eine einschneidende Erfahrung im (Kino-)Leben. Was für ein Typ! Gut aussehend. Stets Herr der Lage. Mutig. Entschlossen. Elegant gekleidet. Souverän. Ein Schnippen mit den Fingern und die Frauen lagen ihm sprichwörtlich zu Füßen. Machismo pur. Mondän. Gebildet. And last but not least: Stets einen guten Spruch auf den Lippen mit einem herrlich sarkastischen Humor. Eine Legende wurde geboren. Auch wenn es sich komplett diametral verhält: Mit Peter O'Toole in Lawrence von Arabien war Moore ein ebenbürtiges Pendant. Überlebensgroß. Das berühmte "Larger Than Life" fand in ihm zu dieser Zeit und für alle Zeiten eine unabänderliche Entsprechung.

Moonraker war der Film, der dazu beitrug, das Roger Moore zur Ikone wurde. Keiner verkörperte den Agenten Ihrer Majestät, den Spion mit der Lizenz zum Töten besser als er. Nicht, dass es reichte, dass Moore aka Bond aus einem Flugzeug ohne Fallschirm springen muss, es verschlägt ihn weiter über Frankreich nach Italien und am Ende nach Südamerika. Exotische Schauwerte, bildgewaltige Szenen. 

All das wird dann in bislang nicht gekanntem Ausmaß getoppt: Bond ist auch in der Lage einen Raumgleiter zu fliegen und steuert dem Finale ins All entgegen.

Grandios.

Können Sie sich vorstellen, wie das die Augen eines 12-jährigen zum leuchten brachte?

Um sich die Wirkung eines Roger Moore auf einen heranwachsenden zu erklären, bedarf es keiner fundierten psychologischen Ausbildung oder Analyse. Hier gab es sie für 5 DM verkörpert durch einen Beau auf der Leinwand zu sehen: Allmachts-Fantasien, Kontrolle und die Explosion von Träumen.

Roger Moore verkörperte seitdem den Archetypus des Helden der bewegten Bilder. Lediglich Bruce Willis vermochte als John McClane in dem legendären Action-Klassiker Die Hard an diese Verkörperung des Helden heranzukommen, danach war aber Stille. Die Leichtigkeit, mit der Moore agierte, das Nonchalante seines Wesens, die Lässigkeit gepaart mit unnachgiebiger Härte sind zeitlos. Timothy Dalton hätte die Bühne nicht verlassen sollen, Pierce Brosnan nicht seinen Schneider und Daniel Craig hätte besser daran getan einen Therapeuten aufzusuchen.

Keine Frage, dass dieser Moonraker-Bond-Sog die Sucht steigerte. Die Sucht nach mehr. Aus Altersgründen war es mir nicht vergönnt, einen ebenso grossen Bond-Klassiker mit Moore in der Hauptrolle vor Moonraker zu sehen, was aber nach dem Weltraumabenteuer schneller als der Schall nachgeholt wurde:

T H E  S P Y  W H O  L O V E D  M E

Roger Moore at his best! Einer gegen alle. "Der Spion, der mich liebte" ist mit Moonraker einer der besten Bond Filme ever und präsentiert Moore in Hochform. Autos, die tauchen und Raketen verschiessen. Unfassbare Sets. Der Beißer agiert das erste Mal auf der Leinwand und der Bösewicht ist kein geringerer als: Curd Jürgens. Weltklasse! Allein die Combo Moore - Jürgens ist schon grossartig. Was waren das für Zeiten. Abseits von Moore schrieb Marvin Hamlisch eine der schönsten Melodien, perfekt vorgetragen von Carly Simon. Daneben prägte Moore mit "Wo ist Fekkesh?" eine der ungeläufigsten und kultigsten Sätze aller Bond Filme. Wunderbar übrigens die Brücke von Bond zu Lawrence: Als Bond und Major Amasova die Wüste durchqueren, erklingt keine geringere Melodie als die berühmte von Maurice Jarre!

Mit Sir Roger George Moore ist eine stilbildende Ikone des Kinos von uns gegangen und hat sich zeitgleich im Olymp der Kinohelden verewigt. Nie werden die Erinnerungen an ihn und seine Kunst verblassen, denn er hat entscheidende Augenblicke der Kindheit geprägt. Ohne hin wäre das Aufwachsen, das Erwachsenwerden nicht das, was es ist. Mir ist bewusst, dass Aussagen dieser Art vermutlich wohl nur Cineasten oder Kinoliebhaber werden verstehen können.

Erinnerungen werden im Rückblick verzerrt vom Gehirn wiedergegeben, aber bezüglich der Erinnerung an Roger Moore besteht Klarheit:

Nobody does it better.

Ein grosser Held.

Rick Deckard

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