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Musik, Kino, Kultur, Radio


TRUE DETECTIVE - Ein Meisterwerk

Veröffentlicht von Rick Deckard auf 12. März 2017, 23:55pm

Kategorien: #Fernsehen

TRUE DETECTIVE - Ein Meisterwerk

KEINE SPOILER.

Grundsätzlich warte ich, bis die Aufregung abgeklungen ist. Bis der ganze Hype aus den Medien verschwunden ist. Keine Interviews mehr gesendet werden. Keiner mehr daran denkt oder darüber berichtet. Aber auch bei True Detective hatte die fortwährende Beschäftigung der Medien mit dieser Serie Folgen. Keine Zeitschrift, keine Fernsehsendung, die nicht darüber berichtete. Prompt war es um mich geschehen: Die Berichterstattung über die Handlung machte mir die Serie abspenstig und es dauerte schliesslich 3 Jahre, bis ich mir wie in einem Rausch alle Folgen dieser Serie ansah.

Es hat sich gelohnt. Frei von jeglichem Einfluss konnte ich dieses Meisterwerk der seriellen Erzählkunst geniessen. Einer der absoluten Höhepunkte in der Kunst der bewegten Bilder. Ich bin noch immer überwältigt von der Dichte, der Intensität, den Bilder, v.a. aber von etwas ganz besonderem:

Matthew McConaugheys sensationelle Schauspielkunst

Ich weiss nicht mehr, wie lange ich gewartet habe eine solch überragende Leistung wieder zu sehen, die Hoffnung war kaum noch vorhanden. McConaughey beherrscht diese Serie von der ersten bis zu letzten Minute. Die Brillanz seiner Kunst, das Höchstmaß an Konzentration, das völlige Aufgehen in der Rolle des Rusty Cohle, diese unbändige Leidenschaft! Das letzte Mal habe ich einen solchen Perfektionismus bei Robert De Niro erleben dürfen, bei Paul Newman und bei Montgomery Clift.

Für jemanden, der sich schon so lange mit dem Kino und auch dem Fernsehen beschäftigt und das auch abseits der Ausstrahlungen, für den war das eine einzige Offenbarung. Was mich am Schauspiel stets fasziniert hat, ist das Vermögen des Schauspielers, von Beginn an beim Zuschauer noch nicht einmal für den Bruchteil einer Sekunde einen Zweifel aufkommen zu lassen, dass es sich hier um Verstellung handelt. Natürlich genügt dazu nicht allein die Fähigkeit des Akteurs, sondern auch aller um ihn herum: Kameramann, Kamerafrau, Regisseur, Beleuchter, dem Verantwortlichen für Schnitt, nicht zuletzt der Drehbuchautor. Sie alle formen schlussendlich den Charakter und erwecken ihn in der Gesamtheit zum Leben. Aber am Ende bedarf es der Überzeugungskraft des Handelnden und diese steht McConaughey ins Gesicht geschrieben.

Seine Mimik und Gestik, seine Körperbeherrschung, das subtile Spiel nur mit dem Gesicht ohne Worte, die Veranschaulichung seiner Gedankenwelt: Grandios! Sollten Sie zu den wenigen gehören, die diese Serie nicht kennen sollten, schauen Sie sich diese Folgen auf jeden Fall an, insbesondere, wenn das Fernsehen und das Kino für Sie mehr sein sollte als bloße Unterhaltung.

Es geht aber noch darüber hinaus und der Grund, warum die Leistung so nachhaltig war und wohl auch immer sein wird ist ein ganz wesentlicher: Rustin Cohle ist ein Held! Die Sehnsucht nach Helden liegt wohl in unseren Genen und Cohle wird zu einem. Er ist keiner. Er wird einer. Und dieser Prozess, diese Genese innerhalb einer Erzählung lässt ihn unsterblich werden. Das ist nicht übertrieben, das ist keine falsche Euphorie.

Ich bewundere die Fähigkeit eines Künstlers sich zu verwandeln. Vergleichen Sie den Prozess von mir aus mit einem Cocon aus dem ein Schmetterling entschlüpft.

Buddy Movie

Keinesfalls darf die Leistung von dem grossartigen Woody Harrelson in seiner Rolle als Martin Hart geschmälert werden, denn eine alte Regel besagt, dass in einem Team der eine nur so gut ist, wie der andere das zulässt. Harrelson vollbringt hier, kaum sicht- und bemerkbar (!), eine phänomenale Leistung, er ist der perfekte Gegenpart zu McConaughey, und zwar: Perfekt. Das ist hochprofessionelles (!) Acting. Denn eine Nuance zuviel, ein Grad an Intensität mehr (oder weniger) und das Licht, welches auf McConaughey scheint, würde verblassen. So zu spielen erfordert ebenfalls ein Höchstmaß an Konzentration und v.a. auch die Fähigkeit zum Kompromiss und zum Opfer. Harrelson beherrscht das par excellence! TRUE DETECTIVE ist in dieser Hinsicht, aber auch geerdet in der Geschichte, die erzählt wird, eines der besten Buddy Movies aller Zeiten mit einer sehr berührenden Schlusssequenz, die aufzeigt, wie grossartig es beide Akteure verstehen einer Szene Glanz zu verleihen.

Serielles Erzählen und Nic Pizzolatto

Der grosse Reiz der Serie besteht darin zu sehen, wie der Fall gelöst wird, vielmehr reizt aber die Beziehung zwischen den Protagonisten, ihr menschliches und kollegiales Verhältnis zueinander und das ist, soviel sei verraten, äusserst raffiniert gemacht. Gerade hier ergibt "die Serie", das abgeschlossene serielle Erzählen den grössten Sinn. Das war bei Fargo beispielsweise auch so.

​​​​​​​Sehr häufig hat mich der Stil und auch der Realitätssinn der Handlung an ZODIAC von David Fincher erinnert. Die langsame, quälende, zermürbende und akribische Polizeiarbeit jenseits von "Wo waren Sie zur Tatzeit" ist ein grosser Pluspunkt des Erzählstils und er nutzt konsequent die Zeit dabei aus, die dem Kino oftmals fehlt. In diesem Punkt gebe ich Alan Lomax unumwunden recht und auch denjenigen, die dieses Format verteidigen und es als die Zukunft anpreisen.

Mit grossem Selbstbewusstsein wird jedwedes Klischee vermieden, es gibt keine billigen Cliffhanger, keine Twists und dieses Ganze Kirmesbrimborium. Mit Präzision und einer verschachtelten Erzählung auf verschiedenen Zeitebenen schreiten die Macher um Mastermind Nic Pizzolatto mit einem genau dosierten Tempo voran. Dieses Timing ist nebenbei bemerkt phänomenal! Man muss hier seinen Hut vor Pizzolatto ziehen und ihm grossen Respekt erbringen. Es ist sein grosser Verdienst, dass die Serie so erfolgreich war. Die Monologe, die er für den Charakter des "Rusty" Cohle schrieb, sind von solcher Wucht, Klarheit und Intelligenz, dass man sich manche Folgen wieder und wieder ansehen möchte. Es verwundert nicht, dass Pizzolatto neben Englisch auch Philosophie studierte.

 

TRUE DETECTIVE ist ein Highlight in der Geschichte des Fernsehens, eine der besten Erzählungen, die die heimische Leinwand erblickt hat. Exzellent fotografiert, mit einer fast episch anmutenden Geschichte und zwei Hauptdarstellern, die zeigen, was leidenschaftliches Schauspielen bewirken kann.

Ein Meisterwerk.

Da stimme ich Buddy Alan Lomax voll und ganz zu! Er hatte recht. Lesen Sie weiter unten.

 

Rick Deckard

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