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Sully – Clint Eastwood

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 2. Dezember 2016, 12:51pm

Kategorien: #Filme

Sully – Clint Eastwood

Im Juli 2015 hat Kompagnon Rick Deckard auf diesen Seiten über den Film AMERICAN SNIPER http://www.lomax-deckard.de/2015/07/american-sniper-eine-amerikanische-geschichte-erzahlt-von-clint-eastwood.html geschrieben und Clint Eastwood als versierten, erfahrenen Regisseur reflektierenden, kritischen und nachdenklichen Regisseur und Produzenten beschrieben, dessen . Alterswerke häufig von einer zutiefst menschlichen Tragik, von einer leisen Melancholie, durchweht sind.

Der neue Film von Clint portraitiert den Piloten Chesley B. Sullenberger (Tom Hanks) der mit seinem Airbus A320 auf dem Hudson River in New York Notwassern musste und so wie durch ein Wunder 155 Menschen das Leben retten konnte.  Bei den nachfolgenden Untersuchungen wird der gute Ruf des erfahrenen Piloten und seines Co-Piloten Jeff Skiles (Aaron Eckhart) in Frage gestellt.

Obwohl die Handlung damit bereits erklärt ist und das Ende Filmes den Zuschauern bereits bekannt ist, entwickelt der Regisseur einen spannenden Erzählbogen, in dem er die Chronologie der Geschichte aufbricht. Im furiosen Showdown zeigt er dann unsere Helden  in der unmöglichen Situation einer Öffentlichen Anhörung vor einem Untersuchungsausschuss, wo sie sich erst demütigen lassen müssen und dann in bester Westernmanier von Eastwood zur Reputation geführt werden. Große Klasse!

Es ist dann ehr unfair, wenn man dem Film ein klebriges Pathos unterstellt oder gar einem langweiligen Film über eine Geschichte die nicht im Kino erzählt werden müsse. Denn Eastwood gelingt mit SULLY etwas zugleich Kluges und Wunderbares: Er vermittelt uns einen Wert, vielleicht sogar einen milden, weisen Altersratschlag: Denkt nicht so viel nach, hört auf immer alles zu hinterfragen und Euch hinter der Technik zu verstecken und ständigen Ausreden zu finden. Trefft Entscheidungen und steht dazu.

Es gibt viele Argumente gegen diesen Film. Aber jedes ist diesmal wiederlegbar, wenn man kurz nachdenkt. Es fängt an bei  diesen unglaublichen Schnurbärten, die Eckhart und Hanks schon fast klischeemäßig in diesem Film tragen müssen! Aber im Abspann sehen wir die echten Piloten. Was soll man sagen, sie tragen diese Bärte. Und vielleicht ist das auch die größte Schauspielerische Leistung der beiden in diesem Film, in dem sie ja eigentlich aussehen wie in einem Sketch aus SNL, das sie beide Charaktere trotz der Bärte würdevoll und sehr bescheiden darstellen.

Für Filmfreunde wird dieser Streifen ein Verteidigungsfilm des eigenen Interesses bleiben. Subjektiv und polarisierend. Die Welt von Eastwood ist nicht einfach. Und Deckards Zitat vom Anfang dieser Besprechung habe ich nicht wahllos zitiert. Wir sehen hier das Alterswerk, eines Mannes der viel erlebt hat, dem man politisch vieles vorwerfen kann und dem (falls man nicht so amerikanophil wie ich es bin) auch kritisch gegenüber stehen sollte.

Für mich ist Eastwood eine Ikone. Einer der eine sehr konservative Haltung zu allem hat und beweist, dass es nicht immer nur positiv, schick und sexy ist, wenn man ein Performer, Hipster, links und multioptional ist. Müssen Werte, Traditionen, amerikanischer Pathos, Patriotismus immer schlecht sein oder wäre es nicht oftmals sinnvoll beide Seiten zu verstehen und das Beste daraus zu nehmen.

Ebenso verhält es sich mit der visuellen Inszenierung von SULLY, der durchaus ebenso aus den 1970ziger Jahren kommen könnte. Ein schöner langsamer Dokumentarstil. Schön wie kleine Nebenhandlungen z. B. klassisch in die Absturzsequenz eingebettet werden. Wie Eastswood liebevoll und doch vernebelt New York darstellt und er uns letztendlich den Streifen als klassischen Hollywoodfilm verkauft, der nicht zu seinen Meisterwerken gehören wird, einen aber schon ein paar Tage beschäftigt.

Und zum Schluss, sollte man doch nicht immer alles so ernst nehmen und kompliziert denken. Denn der Film erzählt auch von einem Wunder und dem Wert zu überleben bzw. überhaupt am Leben zu sein, als Mensch!

Komischer Weise kommt hier aber der radikale Eastwood ins Spiel, der ja z. B. solche Dialoge erfunden hat:

„Ja, aber wenn ein…geiles Schwein hinter einer hilflosen Frau her ist und sie dann vergewaltigen will, schieße ich sofort. Das ist meine Politik!“

„Interessant. Und woran erkennt man das?“

„Wenn ein nackter Mann eine schreiende Frau durch die Straßen jagt, Messer in der Linken, Penis in der Rechten, glaube ich nicht, dass er sie in den Schlaf singen will!“

Wir lachen, aber im Kern kann man die kritische Sicht auf Eastwood oder die glorifizierende, damit auf einen Nenner bringen: Wo fangen Werte an und wo hören sie in der Unterhaltung auf!

Eastwood ist durchaus in der Lage solche Fragen, durch einen scheinbar belanglosen Film wie SULLY oder aber eben auch durch seine darstellerischen und filmischen Werke der Vergangenheit zu beantworten, dabei eine offensichtlich eine schwarz/weiß Sicht vermittelt, sich dann aber doch mal abwendet und hinterfragt, ob das alles so richtig ist.

Und deshalb ist SULLY vielleicht auch ein recht entspannter Film geworden. Für Zuschauer, Protagonisten und ja selbst für die vermeidlich Bösen Menschen aus dem Untersuchungsausschuss wird es ganz klar: Letztendlich ist es der Faktor Mensch und der ist entweder gut oder böse oder er irrt sich….

Aus New York

Alan Lomax

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