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Musik, Kino, Kultur, Radio


Weekend Fest #6 25.-27.11.2016 – Mülheimer Stadthalle Köln

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 29. November 2016, 18:26pm

Kategorien: #Konzerte

Weekend Fest #6 25.-27.11.2016 – Mülheimer Stadthalle Köln

Vielleicht war es gar kein zufälliger Sturz, des Sängers Kurt Wagner (Lambchop) als er erstmal den Bühnenboden erkundet, nachdem er direkt am Anfang seines minimalistischen Elektroset über ein Kabel stolperte. Vielleicht war es eine besondere Art von Knie(Rücken-)fall eine Geste vor dem wohl angenehm verzwicktesten Musikfestival des Jahres.

Nach dem bereits in den letzten fünf Jahren, die Sperrspitze der internationalen und alternativen Musikszene, zum Teil eigens arrangierte und exklusive Shows auf dem Weekend Fest in Köln gespielt haben (Robert Forster, The Fall, The Notwist, Jherek Bischoff, Stephen Joseph Malkmus, Kate Tempest, Scritti Politti, Ty Segall etc.),  war auch das diesjährige Line-Up angenehm mutig kuratiert und sperrig unterhaltsam.

Leider kann ich hier nur über den musikalischen Samstag berichten, da ich an den bestimmt ebenso spannenden anderen Tagen verhindert war.

Der Samstag begann direkt tanzbar, sympathisch und musikalisch Uptight mit Kathleen Hanna (Bikini Kill, Le Tigre) und ihrer Band The Julie Ruin. Es wäre eigentlich zu wenig da von einer Post-Riot-Grrl-Bewegung zusprechen, den die schönen Stakkato-Gitarren und das prägnante Doo-Wop-Backing machten sehr viel Spaß und die von mir extra genannte Kathleen Hanna muss doch als Ikone gehandelt werden, da die Musikwelt, eben solche benötigt, deren Biographie interessant ist und die dann auch noch was zu sagen haben, was die Wichtigkeit der Musik unterordnet. Es ist aber auch dies alles egal, denn THE JULIE RUIN sind druckvoll und werden ein glanzvollen Festivalsommer 2017 vor sich haben, weil diese Band im Heute angekommen ist.

Entscheidet man sich also über den Samstagabend und diesem außergewöhnlichen Festival zu berichten, sollte man eigentlich über zwei Dinge verfügen: Zeit und Charakter! Zwei Luxusartikel also! Beides hatte ich leider nicht an diesem Wochenende und somit muss ich auch mit dem Bericht über Slapp Happy (w/ faUSt) passen.

 

 

Auferstanden!

Auferstanden!

Mit HeCTA hat Kurt Wagner bereits im letzten Jahr einen elektronischen Ausflug gewagt. Mit dem neuen Lambchop Album FLOTUS haben sein Kollektiv und er sich allerdings selbst übertroffen. Ich habe bereits vor zwei Wochen darüber geschrieben…

Mit einem kleinen Koffer („Shirt and Razor“) und einer weiteren Tasche („imac/Ableton and a Vocoder Plugin“) kam er jetzt für zwei Tage nach Köln, um mit einigen Kölner Musikern (Retrogott, Gregor Schwellenbach, Colorist, Söhnlein Brilliant, Marvin Horsch…) die neue Platte, mit neuem Klangbild zu versehen. Was man natürlich als opulent bezeichnen kann, da die Platte ja eigentlich auch eine Berechtigung hätte, zurück in die Americana Struktur geführt zu werden, weg vom Auto-Tune, dem Wagner leider nun ein wenig sehr stark verfallen ist, aber bestimmt auch nur temporär!

Aber auch all‘ diese Überlegungen und meine jetzigen Gedanken an das Gespräch, welches ich nach seinem Konzert kurz mit ihm hatte, entfallen mehr und mehr, wenn ich an daran denke, wie das Geklickere  und Geklackere los ging und in mir die Begeisterung spätestens stieg, als bei NIV dieses Saxophone anfängt, geloopt wurde und sich in endlosen Passagen drehte. Ein gelungener Auftritt, ein gelungenes Experiment. 

Ziemlich neblig...

Ziemlich neblig...

Mit mehr als zwei Koffern sind DJ Escrow und BBF aka. Dean Blunt aka. Babyfather angereist, zumindest mit mehr als 10 Liter Kanistern Fog Juice aka Nebelfluid. Alles zu genebelt! Alles und zwar wirklich alles! Wir sehen nix! Die vier Herren auf der Bühne, konnten durch die Lichtfluter ins Publikum alles sehen. Unangenehm, merkwürdig! 

Dean Blunt macht es einem nicht einfach! Bereits bei seinen vergangen Auftritten zu seinem Masterpiece Album „Black Metal“ gab es Lichtverbot. Die Platte ist schwierig gibt sowieso schon viele Rätsel auf, da die Stilistik kaum zu fassen ist und vorhandene Genre so dermaßen passiert werden, dass eine neue Ästhetik entsteht. Herauszufinden was da live war oder überhaupt ablief, blieb im Dunkeln. 

Mit dem Projekt Babyfather scheint er nun auch wieder einen Schritt weiterzugehen. Zusammengenommen, mit den zwei frühsten Platten The Redeemer und The Narcissist II, erweitert er nun sein Spektrum auf einen scheinbar klassischen Hip-Hop-Act, der aber genau das natürlich nicht ist.

Während dem ich auf dem Klo war, sprach jemand von Hip-Hop Faschismus, im Sinne einer neuer musikalischen Staatsform. Gewagt! Vielleicht sollte man ehr von einem gesamtkunstwerklichen Zusammenhang als Metaebene sprechen, sozusagen einem konzeptionellen Verständnis. Welches natürlich immer voraussetzt, dass das nur ein Teil des Publikums versteht. Kein Widerspruch und auch keine Kritik! Sondern eine List und das Beste an Blunt’s Verkauftstaktik, dann sicherlich seine Antithese zum aktuellen HipHop. Von diesem Auftritt wird man noch lange sprechen. Eben auch wegen dem Entwurf gegen alles. 

Die Veranstalter Theresa Nink und Jan Lankisch haben diesen Entwurf schon lange verstanden und wenden sich mit diesem Festival an eine sehr spitze Zielgruppe, natürlich als Gegenentwurf zum Mainstream, aber ja auch schon fast als Alternative zur Alternative. Mit Location, Verve der Leidenschaft, den interessanten Zuschauern, dem experimentellen Line-Up entsteht aber ein Geist. Ein Spirit und somit etwas neues, Geschlossenes. Ein Festival wie es sich schwer beschreiben lässt, mit Musikern und Künstlern die für ihren Ansatz stehen und nicht für den Kommerz. 

Uns Zuschauern, Besuchern, Pressemenschen, Blogger und Musiknerds bleibt nichts weiter als das weiterhin anzunehmen, versuchen zu verstehen, und jeglichen Support zu geben, der notwendig ist um das alles überleben zu lassen.

 

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