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Musik, Kino, Kultur, Radio


Komeda - Leszek Mozdzer

Veröffentlicht von Rick Deckard auf 1. Oktober 2016, 13:24pm

Kategorien: #Jazz

Komeda - Leszek Mozdzer

Ich finde Fusionen immer interessanter als Alleingänge. Zusammen erreicht man mehr als alleine. Daher bin ich auch in der Musik, beim Jazz, stets auf der Suche nach gleichsam neuronalen musikalischen "Netzwerken" die sich, ähnlich wie bei uns Menschen im Gehirn, formen, wenn eine neue Aufgabe gelöst werden muss, oder sich Assoziationen einstellen.

Jazz und "klassische" Musik gehen auf dieser Platte eine wunderbare Liason ein und schaffen in Kombination etwas, was frisch, neu, modern und attraktiv klingt. "Klassisch" meine ich nicht im Sinne des gleichnamigen Genres, sondern im Zusammenhang mit erstklassiger Musik.

Mit dem Hören dieser Scheibe ist ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen, nämlich der, sich mit der Musik eines Krzysztof Komeda auseinander zu setzen, dies aber keineswegs in analytischer Form, sondern der Neugier folgend.

Ich liebe Filmmusik und so bin ich das erste Mal mit dem Namen Komeda in Berührung gekommen mit den Filmen eines Roman Polanksi. Als ich Krzysztof Komeda zu Beginn von Tanz der Vampire unter den Credits las, konnte ich nicht viel damit anfangen, was sich am Ende schlagartig ändern sollte. Diese polyphonen stimmlichen Untermalungen bei der Schlittenfahrt, die Chöre, die Tänze. Das alles war Musik, wie ich sie bislang nicht kannte. Ich war beeindruckt.

Leider war eine eingehendere Beschäftigung mit Krzysztof Komeda nicht möglich, zum einen, weil es schwierig war an seine Platten zu kommen und wenn, dann waren sie für mich unerschwinglich.

Jetzt nach vielen Jahren fand ich endlich Zeit und Muße mich mit ihm zu beschäftigen und wieder dem Jazz ein Stück näher zu kommen, dieser so eigentümlichen Musikgattung.

Der Jazz-Pianist Leszek Mozdzer nahm im Jahr 2011 "Komeda" als Solist auf und interpretierte die einzelnen Stücke auf erfrischende und einfühlsame Weise zugleich. Ich kannte keines der Stücke und begab mich mit einem Kopfhörer ausgerüstet in das Universum dieses polnischen Ausnahmemusikers (mit der so tragischen Biografie).

Von Beginn an wurde klar: Dranbleiben! Kennen Sie dieses Gefühl? Man hört die ersten Takte einer unbekannten Musik und erkennt sofort, dass eine Verbindung besteht. Irgendetwas in der Musik reizt einen, erfüllt einen und schafft, das ist vielleicht das entscheidende, einen breiten Resonanzraum. Die emotionale Palette, die Mozdzer ausbreitet ist sehr vielfältig und reicht von naiver kindlicher Verspieltheit bis zu den tiefsten Tiefen eines Ozeans. Das macht diese Platte so attraktiv und hörenswert.

Ich bin ein grosser Anhänger der Melodie, des melodischen Jazz. Melodien lassen mir Raum für Wiedererkennung und auch Interpretation. Komedas, von Mozdzer ausgesuchte, Stücke sind von einer einzigartigen Schönheit und Brillianz. In jedem Stück steckt eine Melodie, die manchmal offensichtlich ist, manchmal entdeckt werden will.

Was mir an den einzelnen Stücken imponiert hat, war die Frische der Töne, die Modernität der Kompositionen mit zeitgleichem Verweis auf die Tradition. So erklingen Verspieltheit ("Svantetic", einem schwedischen Schriftsteller namens Svante Foerster gewidmet) und Düsternis ("Sleep Safe And Warm" aus Rosemary's Baby) nebeneinander, gefolgt von einer wunderschönen Ballade und einem Stück (The Law And The Fist), welches pastorale Stimmung verbreitet und an Folkmusik, an eine Volksweisheit erinnert. Das alles spielerisch interpretiert im Jazz Idiom von Leszek Mozdzer - traumhaft schön! Genauso wie das 13 Minuten lange "Nighttime, Daytime Requiem" (was gar nicht wie eines klingt). Gegen Ende folgen zwei weitere (äusserst hörenswerte) Highlights: Der Klassiker "Moja Ballada" und das atemberaubende "Crazy Girl", das bereits jetzt mit seiner Synkopierung und den Akkorden zu meinen Lieblingsstücken zählt, auch wegen seiner Melodie und dem Umstand, dass Mozdzer, der Beschreibung "Crazy" etwas sehr liebevolles abgewinnen kann. Wunderschönes Stück!

Eine sehr gelunge Fusion der Künstler Komeda und Mozdzer.

Aus Mallorca,

Rick Deckard

 

https://www.youtube.com/channel/UCScimhrUCYxqvuzokLNx2iQ​

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