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Musik, Kino, Kultur, Radio


"Generation Kopf unten" - Die Smombies

Veröffentlicht von Rick Deckard auf 1. Juli 2016, 19:56pm

Kategorien: #Kommunikation

"Generation Kopf unten" - Die Smombies

Eine faszinierende Generation.

 

Unsere Vorfahren richteten den Blick nach oben und deuteten die vielen Sterne als Nadelstiche im Himmelszelt. Fasziniert richteten sie ihren Blick in den Sternenhimmel, in den Himmel, aber auch nach vorne, hinten, zur Seite und nach unten (notgedrungen, sonst hätten sie nicht überlebt) und nur zum Zweck der Nahrungsaufnahme, der Materialverarbeitung oder der Fährtensuche war ihr Blick nach unten gerichtet. Interessant war im Zusammenhang mit dem Blick nach unten seine Notwendigkeit, er hatte einen Zweck zu erfüllen und der Zweck trug brauchbare Konsequenzen mit sich.

 

Tausende von Jahren später. Erstaunlich, wie einige wenige Menschen es geschafft haben, ihre Millionen von Mitmenschen dazu zu bewegen, einen wichtigen Teil ihres Körpers mit den darin enthaltenen Milliarden von Neuronen "ständig" nach unten zu richten. Das beeindruckt mich zutiefst. Faszinierend, wie Menschen mit Spielzeugen beeinflussbar sind.

 

"Kognitiv-emotional starren wir den ganzen Tag auf Bildschirme."

Hartmut Rosa

 

Von Berufs wegen bin ich viel unterwegs und habe die Möglichkeit an öffentlichen Plätzen, Bahnhöfen, Hotels, Cafes etc. zu beobachten. Das Bild welches sich mir dabei bietet, ist beeindruckend: Insbesondere die junge Generation ist fast unetwegt dabei mit einem oder zwei Fingern über die Bildschirme ihrer Smartphones zu scrollen, einen Text einzugeben oder Bilder anzusehen. Das erstaunliche hierbei: Kaum einer telefoniert. Das, wozu das Gerät erfunden wurde, wird dazu kaum noch genutzt. Das widerum stellt sich eine Generation weiter anders dar. Diese Menschen HÖRT man, wie sie, vollkommen unbeeindruckt davon wo sie sich gerade aufhalten und wie viele Menschen sie umgeben, priavte und/ oder geschäftliche Gespräche führen.

 

Ich stelle mir folgende Fragen, wenn ich Smombies sehe:

 

- Welche Informationen verschicken sie, mit welchem Inhalt und an wen?

- Warum tun sie das gerade jetzt?

- Was ist so wichtig an der Information, dass sie versendet werden muss und nicht warten kann?

- Wie sind sie in der Lage eine so grosse Fülle an eingehenden Daten zu verarbeiten?

- Wie unterscheiden sie zwischen wichtigen und unwichtigen Informationen?

- Haben sie am Tagesende Kopf- oder Nackenschmerzen?

- Machen sich die Smombies Gedanken darüber, was sie in der Zeit, in der sie auf ihre Geräte starren und mit ihnen hantieren noch hätten machen können?

- Ist Ihnen bewusst, wie wertvoll Zeit ist?

- Welche Konsequenzen hat ihr Handeln für sie und was würde passieren, wie würden sie sich fühlen, wenn sie ganz auf ihr Gerät verzichten müssten?

- Haben die Smombies, wenn sie denjenigen begegnen, an die sie die Nachrichten, Fotos und Sprachnachrichten versendet haben überhaupt noch etwas zu erzählen, oder starren sie dann gemeinsam auf die gegenseitigen Geräte?

 

Ich würde gerne ein "Interview mit einem Smombie" führen.

 

Ich denke, dass die "Generation Kopf unten" mit ihren Geräten aufgewachsen ist und eine andere Form der Kommunikation nicht kennt oder nur am Rande. Kommunikation, zweifelsohne hat sich die Art wie wir Menschen miteinander kommunizieren geändert, bedeutete zu meiner Zeit menschliche Begegnung, verbaler Austausch mit einem biologischen Gegenüber, der Blick in Gesichter, in Mimiken, Sprache, Sprachmelodie, Diskussion, Lebendigkeit. Dadurch, dass man sich eine geraume Zeit nicht gesehen hatte, gab es neue und überraschende Inhalte, über die man reden konnte. Man erzählte über etwas, was man z.B. mit seinen Eltern jüngst in einem Restaurant gegessen hatte. Dazu bedurfte es der Sprache um sich mitzuteilen und dem anderen an Imagination, sich das Erzählte vorzustellen.

 

Bei der "Generation Kopf unten" ist das anders. Um beim Essen zu bleiben: "Alles", was gegessen und getrunken wird, wird permanent fotografiert und in Bruchteilen von Sekunden über den halben Erdball mit einer Application software verschickt. Welchen Reiz hat das für die Smombies? Warum sollte mich interessieren, was jemand, den ich kenne, gerade irgendwo zu irgendeiner Uhrzeit isst oder trinkt? Ich verstehe das nicht. Nahrungsaufnahme ist ein essentielles Bedürfnis, welches wir Menschen teilen, muss man es visualisieren und wenn ja, warum?

 

Erstaunlich ist auch die Fixierung dieser Generation auf ihre Geräte. Sie nimmt gar solche Ausmaße an, dass der Strassenverkehr und ihre Teilnehmer gefährdet werden. Die Post-"Generation Kopf unten" ist dafür eher ein prägnantes Beispiel. Wie oft sehe ich Menschen am Steuer, die am Schreiben sind und dadurch sich und andere gefährden und zwar in dem Maße, dass sie das LEBEN der anderen gefährden.

 

Städte reagieren auf das Verhalten der Smombies, in dem sie, um Unfälle zu vemeiden, an Bahn- und Strassenbahnübergängen ein Signal an die Smartphones senden "Achtung Bahnübergang!". Beeindruckend.

 

Die Qualität und die Frequenz mit der Menschen miteinander in Kontakt treten, hat sich durch die Smartphones in einer ungeahnten Weise verändert. Jeder ist zu jedem Zeitpunkt über alles informiert. Ist das erstrebenswert?

 

Sowieso: Welche positiven Veränderungen bringt diese Generation mit sich? Hat ihre Art zu kommunizieren eine Bedeutung, bringt sie einen Vorteil im menschlichen Miteinander?

 

Ist die "Generation Kopf unten" sich der Tatsache bewusst, dass die gewaltigen Mengen an Daten, die ausgetauscht werden, anderen, vielleicht Dritten zur Verfügung stehen? Wer garantiert schon, dass dem nicht so ist? Wir sind durch die Entwicklungen der Moderne nahezu transparent geworden in dem was wir tun, was wir denken, auf welchen Seiten wir uns bewegen und wonach wir suchen. Den Smombies scheint zu entgehen, dass sie mit ihrem Handeln, ihrer Art der Kommunikation Dritten Möglichkeiten und Räume eröffnen, über die sie nicht im geringsten eine Vorstellung haben.

 

Dieser unbedarfte Umgang mit der Technik ist es, der mich am meisten an dieser Generation fasziniert.

 

Wird überhaupt hinterfragt?

 

Wie nimmt die "Generation Kopf unten" das wahr, was uns umgibt: Die Realität?

 

"Alte Leute halten sich meist gebeugt, und während die Jungen nach oben schauen, richten die Alten den Blick auf die Erde, die bald aufnehmen und bergen wird."

Jordan Jovkov

 

"Junge Leute halten sich gebeugt, und während die Alten nach oben schauen, richten die Jungen den Blick auf ihr Smartphone, das sie aufnehmen und bergen wird."

Smart Phone

 

Ich bin gespannt, wie sich alles weiter entwickeln wird.

 

Mit dem Blick in die Tiefen des Weltalls.

 

Rick Deckard

 

Bildquelle / Copyright: NASA/ ESA/ STScI/ AURA/ Hubble Collaboration

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Rick Deckard 07/03/2016 22:30

Zweiverstanden!

Wir führen das definitiv bei einem erstklassigen Pils weiter. Natürlich sprengt ein Blog die Möglichkeiten.

Danken möchte ich Ihnen aber zuvor noch, weil Sie wieder einmal der Einzige waren, der Rückgrat bewiesen hat seine Meinung kund zu tun, obwohl das hier nach Ihrer Meinung auch andere zu lesen scheinen. Ich bin nicht der Meinung, dass dem so ist, aber lassen wir das.

Danke auch für Ihren vielen Einwände und v.a. gegensätzlichen Auffassungen, die mir zu denken gegeben haben und mich dazu bewegen einige meiner Ansichten neu zu überdenken. Es waren viele neue Impulse mit dabei.

Nur noch hierzu:

"Denn wenn Sie sich Gedanken über Veränderungen machen, müssen Sie ja einen Massstab haben, was sich verändert hat! Und das ist mir noch nicht ganz klar!"

Es hat sich nicht etwas verändert: SIE ist im Begriff sich zu verändern, die Kommunikation.

Während der Massstab früher das menschliche Gegenüber war, so fokussiert sich mehr und mehr alles auf einen metallenen Gegenstand. Der Blick, das Haptische Erlebnis, die Zuwendung, es verlagert sich mehr und mehr auf Datensichtgeräte und die mit ihnen verbundene Software. Sie erinnern sich an "HER" von Spike Jonze. Das ist ein "Horror"szenario. Auf der anderen Seite ist es aus der Sicht der Evolution vielleicht auch der Beginn der Verlagerung des menschlichen Miteinanders zu einer "Symbiose" Mensch - Maschine. Ich bin fasziniert davon wie dieses Programm mit "S" des Herstellers mit dem Obst mit einem Menschen "kommuniziert". Siehe H.A.L. in 2001. Bitte erinnern Sie sich Nala Xamol! Zu unserer Zeit waren solche Smartphones Science Fiction oder Fantasieprodukte im Kino. In wenigen Jahren wird sich die Kommunikation noch mehr auf das "Gespräch" mit der Maschine verlagern, denn sie wird aufgrund komplexer Algorithmen genau verstehen (!), was wir wollen. Das gelingt uns Menschen leider nur sehr sehr selten: Echte und gute Kommunikation.

Wahrscheinlich wird die Maschine uns in Fragen der Kommunikation überlegen sein. Scarlett Johansson war erst der Anfang ... .

Nala Xamoni 07/03/2016 16:18

Lieber Rick!

Ich verstehe natürlich, dass Sie sich nicht auf platte Attribute, wie „Kulturpessimist“, „Bewahrer“ oder gar „ewig gestriger“ reduzieren lassen möchten. Außerdem respektiere ich, dass Sie hinterfragen und verstehen wollen! In der Tat weitere (diesmal) positive Attribute, die nach und nach in Vergessenheit geraten, womit wir auch bereits im Thema sind und gleiche Gedanken haben und ähnliche Beobachtungen machen. Nämlich das der Mensch mehr dazu neigt, Informationen schneller aufzunehmen, sie vielleicht auch oberflächlicher verarbeitet und daher auch weniger Zeit und Muse hat, sich strittig damit auseinander zusetzen.

Denn bei mir ist es z. B. der Diskurs den ich häufig vermisse. Also eben das was wir hier betreiben! Das hin und her spielen von Gedanken. Einfach aber gesagt das nutzen der Kommunikation nach dem klassischen Modell des Sender-Empfänger-Prinzips.

So finde ich z. B. die Art und Weise, Menschen bei Facebook, auf blogs oder in Foren zu beleidigen, Meinungen zu hinterlassen, Diskussion zu starten und auf diese dann in der Folge nicht mehr einzugehen. „Shitstorm“ ist ein schönes Beispiel dafür. Eine tatsächlich unerträgliche Folge der ganzen Diskussion hier um das Thema.

Und in der Tat, würde es die Form von Kommunikation, über die wir hier sprechen, nicht geben, müsste man die Menschen persönlich beleidigen, was sich die meisten Leute nicht trauen oder man müsste Diskussion führen, was sich die meisten Menschen aber selbst nicht ZUtrauen, weil ihnen das Selbstbewusstsein, die Bildung oder die Plattform fehlt oder gefehlt hat.

Nun könnte man aus dem letzten Absatz auch schon wieder was positives ableiten. Nämlich, dass nun auch bildungsschwächere Milieus in der Lage sind, ihre Meinung zu äußern, auch gegenüber Menschen aus dem öffentlichen Leben, der Unterhaltung oder der Politik. Welche Folge, z. B. Entwicklung der AFD etc. das hat, müssen wir nun am eigenen Leib ertragen, sollten uns aber auch entspannen, da die Leere der Worte und der Beleidigungen im echten Leben schnell verpuffen, da die Mehrzahl der Menschen (noch) zu den denkenden gehören. Sie das Beispiel „Boateng Nachbar“ von vor kurz der EM!

Hat das einen EInfluss auf die Formulierung komplexer Sachverhalte? Auf jeden Fall! Aber sind wir auch hier mal offen, soweit es geht! Komplexe Sachverhalte und erklärungsbedürftige Themen, wurden vor 20 Jahren auch nicht von allen Milieus verhandelt bzw. besprochen. Daran hat sich nichts verändert. Vielleicht sollte man hier die Möglichkeit der neuen Plattform, aus Sicht eines guten Menschen (!) sogar als Chance verstehe und nicht als falsch genutztes Medium!

Die Art wie wir kommunizieren ändert sich auf jeden Fall. Und Kommunikationsforscher, Soziologen und andere Gelehrte erstellen eine Studie nach der anderen dazu. Keine aber ist eindeutig. Ich habe viele Vorträge gesehen und auch viele der Studien dazu gelesen.

Überzeugend sind der Ergebnisse, wie gesagt nicht und natürlich ist es wie immer. Traue keiner Statistik die Du nicht selbst gefälscht hast! Man kann also beide Seiten der Medaille vertreten und beide werden ihre pro und contras finden!

Darum geht es aber nicht in der Diskussion, wie ich finde! Denn wir müssen alle einen Weg finden am besten damit umzugehen, es unserer Umwelt so gut wie möglich zum Nutzen zur Verfügung stellen und müssen uns selbst darum kümmern, dass jeder selbst mit dem Medium so gut umgeht wie es eben geht.

Ich selbst habe zwei Kinder, die in der „Generation“ aufgewachsen sind. Ebenso wie ich die Entwicklung der letzten Jahre für mich selbst gelernt habe zu nutzen, habe ich auch versucht, es so an meine Kinder weiterzugeben: Denn Nutzen verstehen, die neue Kommunikation anzunehmen, diese aber eben als Ergänzung zu verstehen, zur Sprache, zu den Möglichkeiten der kompletten Kommunikation inkl. Körper, Tonalität und der Verwendung ganzer Sätze. Meine Tochter hat gerade ihre Reifeprüfung bestanden. Und ich kann sagen, dass sie und auch ihre Mitschüler, bestimmt alle in der Lage sind, vollständige Sätze zu nutzen, komplexe schriftliche Arbeiten abzuliefern und ganze Sätze zu formulieren. Außerdem ist diese Generation sehr engagiert, was politische Themen angeht, was soziale Themen angeht. Und ich sehe nicht nur meine Tochter und ihr Umfeld. Ich sehe auch meinen Sohn der auf eine andere Schule geht, ich sehe Kinder von Freunden aus anderen Stadtteilen und Städten, die alle nicht dumm geworden sind und auf mich sehr normal wirken. Auch was ihr soziales und kommunikatives Verhalten angeht. Und ich sehe da überall Eltern, die ihren Kindern den Umgang mit Computer, Smartphone und Playstation erlauben, aber eben auch Regeln dafür gefunden haben und sich ihrer neuen Verantwortung durchaus bewusst sind.

Schwierig ist es wie immer bei den sogenannten bildungsschwachen Milieus. Denen WIR helfen sollten, sie aber nicht in den Zenit der Kritik stellen sollten. Denn die haben wenig und häufig eben nicht die Chance, ihre Grenzen kennenzulernen und aus dem digitalen Alltag rauszukommen. Dabei haben die es besonders nötig. Da die pädagogische Hilfe auf den Hauptschulen z. B. eine untergeordnete Rolle spielen. Das ist das wirkliche gesellschaftliche Problem und das wirkt sich tatsächlich auf unseren Alltag aus. Da muss Hilfe her und da nutzen unsere Diskurse (ich schließe mich da ein) überhaupt nichts.

Zu den Kommentaren von 13:34:

zu1: Die Generation Kopf nach unten ist aus meiner Sicht altersunabhängig. 44 Millionen Smartphonenutzer in Deutschland (2016) sollten das beweisen. Und bei What’s App, Twitter, Facebook, Instagram etc. Nutzern gibt es keine Alterssignifikanz.

zu2: Verstehe ich und Sie haben recht! Das tut mir leid

zu3: Wobei zwischen „unnötig“ und „schlecht genutzt“ ein Meilenweiter Unterschied besteht. Aber daraum geht es mir ja in dem Diskurs! Schlimm wäre die Haltung, dass die Entwicklung UNNÖTIG IST! Darum geht es hier nicht, klar! SCHLECHT GENUTZT! …aber ja sehr wohl! Denn wenn Sie sich Gedanken über Veränderungen machen, müssen Sie ja einen Massstab haben, was sich verändert hat! Und das ist mir noch nicht ganz klar!

zu4: Vielleicht ist es ja auch interessant, dass dieser Text so verstanden werden kann. Ich persönlich werde ja nicht der einzige Leser sein!

zu5: Ich akzeptiere den Alltag durchaus nicht! Und genauso wie sich als Standpunktdeuter verstehen, verstehe ich mich eben auch als Anwender. Was aber eben auch beruflich getrieben ist, da ich mit digitalem Marketing mein Geld verdiene. Die Nutzung der angesprochenen Plattformen sind dabei die Mediaflächen! Und ich muss überlegen, wie das ganze performativ ist bzw. werden kann.

zu6: Auf einmal doch wieder Hardliner! Ja, da steht auch allerletzten, klar, aber das ist doch eine Hardlinerposition. Und nochmal, ich bin nicht der einzige der das hier liest!

zu7: Grundsätzlich geht es in der Diskussion zusammengefasst um die 3 Fragen die sie hier stellen. Wenn wir weiterhin diese Diskussion hier schriftlich führen wollen, sollten wir uns darauf reduzieren. Das ist relevant…

zu8: Siehe Punkt 7 und 6

zu9: Eine einseitige Sicht! Es gibt auch viele Studien, die das Gegenteil aufführen. Meine persönliche Meinung, habe ich oben geschrieben. Mein Wunsch: Die Ergänzung anzunehmen und weder das eine noch das andere Auszuschließen.

Dazu sage ich nur eins: Ich stand kürzlich zwischen 100.000 Menschen in Barcelona bei einem Konzert. Jeder zweite hatte ein Handy in der Hand und wollte die unbeschreibliche Atmosphäre einfangen, für immer! Die Menschen kamen aus ganz Europa und der ganzen Welt. Keiner hat sich gestritten, jeder genoss die Schönheit der Chance, den Frieden und die wundervolle Musik von Brian Wilson. Es ist eine kleine Menge an Menschen die diesen Fortschritt aufhalten und aufhalten, dass solche Momente viel zu selten sind. Wir alle sollten uns zusammentun und gegen idiotische Entscheidungen wie dem Brexit, Trump, ISIS, Terror, Faschisten, IDioten auf die Straße gehen und Knochen als Waffe benutzen. Meinetwegen auf das Handy! Wenn wir das schaffen und mehr Frieden, Toleranz und Menschlichkeit auf der Welt herrscht, dann können wir uns sagen, dass wir es geschafft haben. Bis dahin bleibe ich auch bei Kubrick….

Dieser Kommentar ist nicht verbindlich und schnell runtergeschrieben. Er spiegelt nur einen Teil meiner tatsächlichen Meinung wieder. Ich würde diese Diskussion lieber persönlich führen und nicht online….

Rick Deckard 07/03/2016 14:49

Lieber Nala Xamol!

Noch eines ist mir in den Sinn gekommen.

Mit dem "Text" wollte ich versuchen zu verstehen, wie sich die Beziehung der (jungen) "Generation Kopf unten" zur der sie umgebenden Welt verändert?

Durch die Art wie kommuniziert wird (Gebrauch von Anglizismen und Abkürzungen) verändert sich die Weise zu sprechen. Grundschüler und junge Kinder (viele, nicht alle), haben zunehmend Schwierigkeiten ganze Sätze zu formulieren, weil der Austausch über die Smartphones, bedingt durch den Druck der Schnelligkeit und des sich "austauschen müssens", mehr und mehr über Symbole (Emoticons) und Abkürzungen erfolgt.

Wie wirkt sich das auf den Alltag aus?

Hat das einen Einfluss auf die Formulierung komplexer Sachverhalte?

Rick Deckard 07/03/2016 13:34

Lieber Nala Xamol!

Bedingt durch das gestrige Viertelfinale komme ich erst heute dazu ausführlich zu antworten.

1. Ich beziehe mich bei der "Generation Kopf unten" nicht auf ein bestimmtes Alter, sondern "die" Generation, wobei meine Beobachtungen zeigen, dass überdurchschnittlich viele Jugendliche zu dieser Generation gehören.

2. Sie führen in den folgenden Absätzen mein Thema sehr weitläufig fort, was sich meines Erachtens von dem Geschriebenen entfernt. Mir ging es nicht UM den "technischen Fortschritt", sondern darum WIE sich Menschen im Zusammenhang mit dem technischen Fortschritt verhalten.

3. Ich bin nicht der Auffassung, dass die Technik "unnötig" ist, oder schlecht "genutzt" wird.

4. Es ist sehr interessant, WIE sie meinen Text gelesen haben, nämlich Ergebnisorientiert: "Positiv-negativ, schlecht-gut, früh-spät". Mir ging es um den Prozess an sich, nicht das Ergebnis dessen.

5. Der Hinweis, dass es sich um kein Phänomen handelt, sondern Alltag ist, das ist mir bewusst. Hierin unterscheiden wir uns. Der eine akzeptiert ihn, der andere hinterfragt ihn in seiner Konsequenz. Wir beide haben uns schon von jeher unterschieden: Sie neigen zum "performativen" ich zum "positionalen". Sie nehmen wie ein Surfer "jede" gesellschaftliche Welle mit die kommt, ich versuche von einem bestimmten Standpunkt aus sie zu deuten und Obacht: Es ist kein Verharren, keine Lethargie, kein Rückbesinnung ("in die Technik der 80er Jahre"), keine Starre, sondern eine persönliche kritische Auseinandersetzung mit dem was passiert und das abseits des Konsens.

6. Ich mache bei dieser Steigerungslogik, des "höher, schneller, weiter" nicht mit (z.B. ein Smartphone einer bestimmten Marke mit einem Buchstaben und einer steigenden Zahl), weil ich in der allerletzten Konsequenz keinen WESENTLICHEN Nutzen für unsere Gesellschaft sehe.

7. Natürlich, und dem will ich keineswegs widersprechen, hat sich durch diese Art der Kommunikation das Leben sich für uns erleichtert, weil es z.B. im Berufsleben (und auch Alltagsleben) möglich ist binnen Sekunden kleine und grosse Mengen Daten zu verschicken, ist das Leben aber dadurch in der Gänze (also nicht bezogen auf ein einzelnes Individuum) auch besser geworden? Sind wir in den letzten Jahrzehnten dadurch als Spezies vorangekommen? Was nützt die schnelle, technisch verbesserte Kommunikation, wenn WIR uns parallel nicht weiter verändern?

8. Die Smartphones sind für eine ganze Generation zum LebensINHALT geworden, ohne die der tägliche Lebensablauf scheinbar nicht mehr möglich erscheint. Der Mensch wird mehr und mehr zur FAULHEIT erzogen, fast alles ist auf einen Knopfdruck erreichbar: Das Taxi, die Pizza, die Fahrkarte. Natürlich hat das alles sinnvoll genutzt Vorteile, aber eben dieses sinnvolle Nutzen scheint sich mehr und mehr zu verselbstständigen. Noch eine App und noch eine und noch eine. Riesige Datenmengen über unseren Standort, unseren Puls, unseren Blutdruck usw. geben wir einfach weiter ohne uns darum zu kümmern. Das beunruhigt mich.

9. Seien wir doch ehrlich und die Wissenschaft hat es durch viele Studien belegt: Unser Leseverhalten ändert sich z.B. durch die neuen Medien. Wir überfliegen, ich selbst bin da KEINE Ausnahme, Texte im Internet nach dem " F " - Prinzip. Wir lesen die ersten Zeilen, scrollen runter, überspringen (!) ganze Passagen, lesen die nächsten Zeilen, überspringen wieder und scrollen ans Ende. Dies in der Absicht in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Informationen aufzusammeln und aufzunehmen. Das fatale ist: Es bleibt kaum etwas im Gedächtnis hängen. Diese Prozesse sind es, die ich nicht gerade mit Wohlwollen beobachte.

10. Abschliessend: Ich bin kein "Gegner" des technischen Fortschrittes, kein "Gegner" technischer Innovationen, im Gegenteil, es ist ein "natürlicher menschlicher Prozess" von den frühen Kulturen bis heute. Jedoch, und um das Mantra unserer Seite zu bemühen, will ich mit Stanley Kubrick beenden:

Ein Affe entdeckt, dass er einen Knochen als Waffe benutzen kann und damit etwas erreicht. Er ist in der Lage zu handeln. Hoch erfreut über diese Entdeckung schmeisst er voller Enthusiasmus den Knochen in die Luft. Dann komm dieser berühmte Schnitt und wir sehen ein Raumschiff durch das Weltalls fliegen. Ein riesiger technischer Fortschritt!

ABER: Unter dem Strich ist folgendes geblieben: Im Grunde schmeissen wir immer noch Gegenstände in die Luft. Viel mehr hat sich nicht geändert.

Bezeichnen Sie mich als Kulturpessimisten wenn Sie es wollen, was ich aber nicht bin. Ich beobachte die Entwicklungen nur mit einer gesunden Portion Skepsis mit der Frage: WEM nutzen diese Fortschritte etwas?

Wenn die technischen Fortschritte uns Menschen einmal nutzen sollten, auch die Kommunikation, dass wir uns gegenseitig nicht mehr abschlachten, nicht mehr rassistisch sind, die Ressourcen, die die Natur uns bietet ausgewogen und sinnvoll zu nutzen, DANN könnten Sie mich durchaus als Menschen bezeichnen, der "positiv" in die Zukunft blickt.

Momentan sehe ich Verschwendung von Geld, Ressourcen und der so lebenswichtigen Zeit mit dem Ziel "immer weiter, immer schneller, immer höher, immer besser". Diese ganze Optimierung, diese ganzen möglichen Optionen, diese ganze Verdichtung der Technik bringt uns nicht wirklich weiter.

Rick Deckard 07/02/2016 20:14

1. Ich werfe den "Text in die Runde", weil ich mir Gedanken um eine Gesellschaft mache, deren Teil ich bin.

2. Wie kommen Sie zu der Ansicht, ich würde eine solche Auffassung vertreten? Ich empfehle den Text nochmals genau und l a n g s a m zu lesen.

3. Wenn Sie den Text langsam, gründlich und aufmerksam gelesen hätten, würden Sie feststellen, dass in ihm mehr positives, verwunderliches und erstaunliches steckt als negatives.

4. Nein.

Nala Xamol 07/01/2016 22:35

Lieber Rick!

Zu recht hinterfragen Sie? Allerdings habe ich paar Fragen zum Verständnis, bevor ich meine Kritik an Ihren Gedanken tatsächlich hier niederschreibe!

Verstehe ich Sie richtig, dass Sie, wenn Sie von einer Generation sprechen, von der jugendlichen Generation sprechen? Hintergrund: Ich finde es schwierig, dieses Phänomen den Jüngeren zuzuschreiben, da es doch nachweislich alle Generationen bzw. Altersphasen betrifft.

Eine zweite Frage! Stellen Sie sich vor Sie hätten im New York des ausgehenden vorletzten Jahrhunderts gelebt. Einer Zeit, zu der in dieser Stadt, die Entwicklung der Welt aufeinander getroffen ist. Öffentlicher Nahverkehr, Automobile, Fahrräder lösen Kutschen und Pferde ab. Erste Telefonzellen entstehen, erste Hochhäuser wuchern, Zeitungen berichten jeden Tag über die neusten technischen Entwicklungen von den Anfängen des Fliegens bis hin zu neusten Errungenschaften des Alltags, wie der Rasierapparat oder dem ersten Staubsauger. Auch in der Unterhaltung gibt es Entwicklungen die spektakulär sind: Die Photographie macht riesen Schritte in Richtung Film, das Radio wird bald Alltagsunterhaltung und die Leute gehen nicht nun mehr nur noch in Freakshows, sondern besuchen Theaterstücke, Singspiele und erste Unterhaltungsshows. Coca Cola kommt auf den Markt, die Kühlung wird erfunden, es gibt kaltes Bier und leckeres Eis für die Jüngsten.

Nun könnte man Ihnen vorwerfen, dass Sie zu den älteren Herren gehören, die einen geschniegelten Club besuchen, wo Sie mit anderen Herren, über all' diese Entwicklungen sprechen, zwar offen sind, aber dennoch die ewige Frage nach dem Sinn und der Gefahr sprechen. <-...erinnern Sie sich an den Spielfilm "Die Zeitmaschine" wo der Protagonist George am Anfang des Filmes, seinen Freunden in einer Silvesternacht seine Idee vorstellt? Ein ähnliches Szenario habe ich gerade im Kopf.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich verstehe Ihre Ambition, habe bei solchen Texten und Reden nur immer das Problem -wie gesagt- mit der Reduzierung auf eine Teilgruppe der Gesellschaft. Da es sich wie gesagt um alle handelt, also um eine rundum gesellschaftliches Phänomen.

Oder eben Entwicklung?

Und nun direkt zur zweiten Frage: Neugierig wie Sie sind, fragen Sie sich zwar, wie es weiter geht und hinterfragen, ob überhaupt hinterfragt wird und insbesondere, dass unbedarft mit der Technik umgegangen wird!

Drei Fragen also in einer, ich gebe es zu! Aber der Fokus meines Nachfragen, liegt bei dem Hauptthema welches Sie abstrahlen, dass "diese" ganze Entwicklung unnötig bzw. schlecht genutzt wird!

Meine Theorie dazu wäre nämlich, dass WIR alle derzeit lernen, damit umzugehen und damit zu leben , da ich denke, dass man nichts aufhalten muss und auch die technische Entwicklung nicht aufhalten kann. Somit finde ich auch Ihre Gedanken etwas zu spät. Da wir bereits viel weiter sind und dieses "Phänomen" doch nun wirklich bereits seit Jahren keins mehr ist. Zentral also ist die Frage wie können wir uns diese Devices so zu nutze machen, dass sie uns weiterhelfen. Das ist ALLTAG und kein Phänomen mehr!

Und das sind also (gleich) nochmal zusammengefasst meine Fragen an Sie:
1.) Werfen Sie den Text in die Runde um eine jüngere Generation zu hinterfragen oder eine Gesellschaft?
2.) Glauben Sie wirklich, dass die Welt eine bessere wäre, wenn wir weiterhin den technischen Status der 1980ziger Jahre oder davor oder 10 Jahre danach hätten?
3.)Warum machen Sie sich keine positiven Gedanken über die positiven Effekte des "Phänomens" und äußern nur Zweifel und Kritik?
und eine Extrafrage:
4.) Verbinden Sie diesen Text mit einem Wunsch für Ihren Alltag oder Ihrem persönlichem Leben?

Das würde mich interessieren?

Nala Xamol

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