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Bridge Of Spies - Steven Spielberg

Veröffentlicht von Rick Deckard auf 13. Mai 2016, 19:46pm

Kategorien: #Filme

Bridge Of Spies - Steven Spielberg

1977 war das New Hollywood bereits Geschichte und mit der Wucht einer Supernova-Explosion begann das Zeitalter des "Blockbuster": Krieg der Sterne (Star Wars) und Der weisse Hai (Jaws) machten den Anfang. Die Auswirkungen dieser filmischen Erschütterung sind bis heute spürbar.

Neben George Lucas war Steven Spielberg der Regisseur, der diese Entwicklung maßgeblich beeinflusste und ein Ende ist noch nicht absehbar, im Gegenteil. Betrachtet man die Entwicklung im zeitgenössischen Kino, so wird dieser Effekt wohl noch in alle Ewigkeit andauern, ähnlich der Expansion des Weltalls nach dem Urknall. Aber in dem Maße, in dem sich das Weltall ausdehnt, hinterlässt es zwischen vereinzelt funkelnden Sternen auch ein riesiges Vakuum, das ist im filmischen Universum nicht anders.

Man möge es mir nachsehen und das Unverständnis kann ich nachvollziehen, aber ich halte Spielberg für einen der am meisten überschätzten Regisseure. Bei seiner Filmografie bleiben am Ende nur 2 Filme, die die Qualität haben werden, die Zeit zu überdauern: 

Duell.

Der weisse Hai.

Beide Filme, ersteren noch mehr als letzteren, halte ich persönlich für zwei bahnbrechende und meisterhaft inszenierte (Horror-)Filme. Alles, was nach ihnen kam, waren überdurchschnittlich unterhaltsame Filme auf technisch hohem Niveau, aber aus cineastischer und künstlerischer Sicht weder herausragend noch irgendwie bedeutsam.

Blockbuster eben, gedreht zu reinen Unterhaltungzwecken.

Dagegen ist nichts einzuwenden, Kino ist nicht nur Arthouse & Anspruch sondern v.a. Unterhaltung und auch ich gehe gerne in solche Filme, um mich ablenken zu lassen. Womit ich aber nicht konform gehe, sind die Lobhudeleien über und die Glorifizierungen von Spielberg, die für mich unreflektiert und devot sind. Das gleiche Phänomen war bei Tarantino zu beobachten, der mit ein, zwei Anfangswerken herausstach und fortan jeder Film als Geniestreich und Meisterwerk gefeiert wurde.

Liest man sich die (z.T. überwältigend positiven) Besprechungen zu Bridge Of Spies durch, so ist man nahe der Verzweiflung. Der Name Spielberg ist Programm, der Bonus greift noch immer.

Ich habe den Film gestern gesehen und war auf der ganzen Linie enttäuscht. Natürlich hat der Film gemäß "Spielberg" seine Qualitäten und Schauwerte, jedoch lässt einen das Gefühl nicht los, hier wäre angesichts der Thematik mehr, viel mehr drin gewesen. Erstaunt war ich zudem, als ich im Abspann las, wer unter anderem am Drehbuch schrieb: Die Coen Brüder?! Deren Einfluss war kaum zu vernehmen, bis auf 1-2 Szenen.

Der Film spielt historisch zur Zeit des eskalierenden "Kalten Krieges", als sich nach dem II. Weltkrieg zwei Kontrahenten aus den Trümmern neu formierten und mit ihnen zwei konträre Weltanschauungen. In dieser Ära belauerten sich die Großmächte USA und Sowjetunion. Macht und Vorsprung bekam im nuklearen Wettlauf derjenige, der über Informationen verfügte und diese wurden u.a. beschafft durch ... Spione.

Um diese "Berufsgattung" geht es in dem neuen Spielberg Film. Tom Hanks spielt einen Versicherungsanwalt, der von der Regierung beauftragt wird einen frisch gefangegen russischen Spion der Form halber zu verteidigen. So weit, so gut. Aber mit dem Prozess beginnt auch das, was den Film so unerträglich und v.a. nicht nachvollziehbar macht: Die beiden Gutmenschen Spielberg & Hanks überstrapazieren den guten Willen und die guten Absichten dermaßen in einem falschen Kontext, dass sie schlussendlich in Pathos & Kitsch versinken und was am schlimmsten ist: In Stereotypien.

Die Welt am Abgrund einer nuklearen Bedrohung und Hanks' Charakter, aufrichtig und mit hohen moralischen Werten ausgestattet (Jimmy Stewart und Hank Fonda lassen grüssen), meint nun an diesem prekären Punkt der Geschichte die Menschlichkeit in den Vordergrund rücken zu müssen, ob nun Feind oder Freund, Amerikaner oder Russe. Das ist ein hehres Anliegen, aber fehl am Platz. 

(Die durch die schreibende Zunft an dieser Stelle hergestellten Vergleiche zur Gegenwart und der weltpolitischen Lage sind so verkehrt und Sinn entleert, wie sie nur sein können. Liebe Journalisten: Das war eine andere Zeit, unter anderen Vorzeichen, eine andere Ära. Ein Vergleich mag beabsichtigt gewesen sein, jedoch verpufft die Allegorie wie eine Seifenblase).

Also zieht "Mr. Smith nach Washington" und legt Berufung gegen das Urteil des Gerichtes ein, derweil die Grossmächte weiterhin hochrüsten, die Deutsche Demokratische Republik eine Mauer errichtet und Schulkinder in den USA im Unterricht Filme gezeigt bekommen, was sie im Falle eines nuklearen Angriffes tun sollten.

Es kommt wie es kommt und ein Amerikaner wird von den Russen gefangen genommen (was für eine Überraschung!!!) und Hanks' Charakter James B. Donovan erweist sich auch noch als Prophet, denn genau das hatte er vorausgesagt und daher eine Todesstrafe des russischen Spions abgelehnt (aus pragmatischen Gründen wohlbemerkt!).

Als ob es alles nicht vorhersehbar wäre, kommt es zum Austausch der Spione auf der Glienicker Brücke ... .

Bis dahin kommt noch erschwerend hinzu, dass ein junger amerikanischer Student in der DDR inhaftiert wird. Aber hej! Den kriegen wir auch noch 'raus!

Natürlich ist es in Deutschland (wie immer) düster, dunkel und es schneit: Die Sonne scheint nur auf der anderen Seite des Planeten. Was für furchtbare Klischees!

Bridge Of Spies ist nichts anderes als eine pathetische Schmonzette, die statt Spannung zu erzeugen, anzuklagen und zu erhellen dazu verleitet, was man im Blockbuster-Kino gerne tut: Eimerweise Popcorn essen und Literweise coffeinhaltige Getränke zu sich nehmen. Am Ende wird es alles gut. Der Mensch ist es sowieso.

Hanks ist ein All American Guy, die treue und fürsorgende Ehefrau macht den Haushalt und sorgt  sich um die Kinder, die ihren Vater um Rat fragen, was sie tun sollten, wenn es zum Krieg kommt. Das ganze selbstredend in der Vorstadt-Idylle, wo sonst?

Der Film hat seine Stärken dort, wo nicht geredet wird. Es gibt Szenen, die eindrucksvoll zeigen,  wie nah die Menschheit am nuklearen Untergang war und wie verbohrt, paranoid und zerstörerisch Ideologien sein können, aber das wird leider nur am Rande deutlich.

Erinnern Sie sich noch an Jurassic Park, Das Reich der Sonne, Always, Hook, Minority Report, Terminal, E.T. ..., ich nicht, an Duell und Jaws schon ... .

Vielleicht sollten einige Künstler verstehen, wann es Zeit ist aufzuhören, statt am Sockel der eigenen Legende zu kratzen.

Aus Potsdam,

Rick Deckard

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