Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog

www.lomax-deckard.de

www.lomax-deckard.de

Musik, Kino, Kultur, Radio


S I C A R I O - Denis Villeneuves Thriller-Meisterwerk

Veröffentlicht von Rick Deckard auf 12. Februar 2016, 15:41pm

Kategorien: #Filme

S I C A R I O - Denis Villeneuves Thriller-Meisterwerk

Brilliant inszenierter, atemlos spannender Action-Thriller der Extraklasse!

So würde ich für diesen Film werben, wenn ich könnte. In diesem Fall ist das reisserische Element berechtigt, denn jedes Wort dieses Satzes stimmt und das ist eine keineswegs subjektive Ansicht.

Das meisterhafte an SICARIO ist, dass der Film den Zuschauer am Ende vor höchst schwierige, aber verlockende ethische und moralische Fragen stellt. John Milius hätte dieser Film gefallen, wobei SICARIO keineswegs als reaktionär zu verstehen ist, aber in Teilen vertritt er die Ansichten dieses Drehbuchautors und Regisseurs.

Worum geht es?

Der Film spielt im Grenzgebiet der Vereinigten Staaten von Amerika zu Mexiko und thematisiert den Kampf der Behörden gegen die Drogenhändler. Emily Blunt ist die Leiterin einer Sondereinheit des FBI, die aufgrund ihrer Qualitäten einer Task Force beiwohnen und die Hintermänner und Drogenbosse der Kartelle aufspüren soll., allerdings nur als Beobachterin. Geleitet wird die Spezialeinheit von Josh Brolin und Benicio del Toro. So viel sei verraten und nur so viel.

Ich kannte bis dato Regisseur Villeneuve nicht, der mit Prisoners und Enemy bereits zwei exzellente Filme gedreht haben soll. Das werde ich alsbald nachholen, weil dieser Film wirklich meisterhaft inszeniert ist:

Allein die Fahrt eines Convois aus den Staaten in die Grenzssadt Juarez und wieder zurück ist nicht nur virtuos gefilmt und geschnitten sondern furios inszeniert. Kamera, Schnitt, Musik, Schauspieler, Erzähltempo: Atemlose Spannung!

Faszinierend in dem Film ist insgesamt das ruhige Erzähltempo, welches aber gerade wegen der gedrosselten Geschwindigkeit der Bilderabfolge eine ungeheuer spannende Dynamik entwickelt mit einer Sogwirkung, der man sich nur schwerlich entziehen kann. Erstaunlich dabei ist die Tatsache, dass Regisseur und Drehbuchautor mit grösstmöglichem Realismus und Authentizität an die Sache herangehen, die an die Glanzzeiten des Kinos vergangener Jahrzehnte des letzten Jahrhunderts erinnert.

Auch hier zeigt sich, wie essentiell die Kameraarbeit bei einem Film ist und das die Bedeutung eines versierten Kameramannes nicht hoch genug eingestuft werden kann.

Der britische Kameramann Roger Deakins (bislang sage und schreibe 13 Mal für den Oscar nominiert) brilliert insbesondere bei den Landschaftsaufnahmen, aber auch in den Szenen, die in der tiefsten Dunkelheit der Nacht spielen. Bereits bei No Country For Old Men hatten mich seine Bilder gepackt. Deakins passt sich der ruhigen Erzählweise des Films mit seinen Bildern perfekt an.

Die (stets bezaubernde) Emily Blunt spielt die FBI-Beamtin mit einer Mischung aus Verzweiflung, grosser Sensibilität und zunehmender Ohnmacht und gerät, je weiter der Film voranschreitet, immer mehr in den Hintergrund und wird in die Passivität gezwungen. Dieser Umstand wurde von den meisten "Kritikern" bemängelt, ist aber purer Unsinn, denn genau das ist doch der Clou von Sicario!

Benicio del Toro hat mir noch nie so gut gefallen.

Josh Brolin kann ich mir in jedem Film ansehen, der Typ ist einfach überragend und seine deutsche Synchronstimme auch. Dieser Schauspieler ist die Essenz des US-Amerikanischen Kinos und jemand, der noch auf die Rolle seines Lebens wartet.

Ein Wort noch zu der Musik von Jóhann Jóhannsson: Grandios! Die Musik und die Sounds erinnern an Indianer auf Kriegspfad in den Actionszenen. Einer der treibendsten, verstörendsten und passendsten Scores, den ich in den letzten Jahren gehört habe. Ohne seine Töne würde der Film einen erheblichen Teil seiner Wirkung verlieren. Abseits der Bilder ist sein Soundtrack aber wirklich nur etwas für Die Hard-Fans (habe ihn natürlich geladen), abgesehen von einigen wenigen melodischen Tracks.

Ich verspreche Ihnen, dass Sie sich nach dem finalen Akt die gleichen Gedanken machen werden wie ich und auf diese bin ich gespannt!

Schauen Sie sich auf keinen Fall einen Trailer oder etwas anderes auf YouTube an: Viel zu viele Spoiler!

Seit Tagen verspüre ich den Wunsch diesen Film nochmal anzusehen und das ist stets ein Gütesiegel.

@Alan Lomax: Pflicht!

Aus einer Bar,

Rick Deckard

Kommentiere diesen Post

alan Lomax 02/14/2016 14:21

Wenn PFLICHT Aufgaben wie diese hier Alltag wären, würde ich den Alltag bevorzugen!
Gestern Abend gesehen und obwohl ich Deine Euphorie nicht so ganz teile, teile ich ganz bestimmt die angesprochenen Sequenzen mit großer Euphorie! Die Convoysequenz ist meisterhaft, der Plot genial und tatsächlich polarisierend. Zudem ist die Sequenz in der Polybar inkl. Countrytanz mehr als denkwürdig. Ich verstehe auch genau, was Du mit dem langsamen Tempo meinst, erinnern doch viele Momente an bessere Ciminofilme.

Außerdem ist das Kartellthema USA - Mexiko ziemlich faszinierend, wenn auch abschreckender Natur. In dem Atemzug möchte ich auch gerne nochmal die Netflixserie NARCOS erwähnen, die mit einem ähnlichen Tempo und Erzählstruktur in etwas epischerer Weise den Ton sehr gut trifft und die unfassbare Geschichte erzählt, wie Kolumbien, Mexiko und einige andere Länder sich unter der Punshline mit den Staaten angelegt haben.

Das ist der neue Westen! Wenn auch in leider realistischer Form und ist es nur näher an uns dran? Egal! Sehr, sehr gute Unterhaltung auf jeden Fall und mehr als ein erwähnenswerter Film. Werde mir noch mal in ein paar Monaten Nachschlag holen, um das "vielleicht" nicht verstandene aufzuholen;-)

Aus einer Zwischenwand in einem Fertighaus!
Alan Lomax

Rick Deckard 02/14/2016 19:57

Es führt wohl kein Weg an NARCOS vorbei. Etwas Zeit hätte ich schon gerne als Geschenk dazu.
Freut mich, dass der Film Ihnen gefallen hat. Danke, dass Sie ihn gesehen haben!
ACHTUNG SPOILER!





So ist es, auch ich sehe den Film als eine geniale Fortführung des Western. Was mir gefallen hat ist die Tatsache, wie der Charakter des B. d. Toro eingeführt wird und wie del Toro diesen Charakter spielt, wenn man bedenkt, was ihm im Leben widerfahren ist. Es zeigt sich, dass der Regisseur und Drehbuchautor das archaische Thema der Rache innovativ variieren und in einen Subkontext einbauen. Dieser Clou hat mir ausserordentlich gut gefallen, wie schlussendlich die Frage oder Statement am Ende, womit wir den Brückenschlag zu Milius hätten: Um den Feind zu besiegen, musst Du Dich seiner Mittel und Methoden annehmen, oder anders: Kämpfen, so wie er es tut mit aller Konsequenz. Diese bittere "Wahrheit" und im Zusammenhang damit die Bedeutung des Wortes SICARIO haben mich zudem noch beeindruckt. Interessant, wie der Charakter des Josh Brolin in Verknüpfung damit argumentiert und auch bitter, welche Option dem Charakter der Emily Blunt schlussendlich bleibt. Bei Howard Hawks oder Sam Peckinpah, wäre del Toro vermutlich auf einem Pferd davon geritten ob in die auf- oder untergehende Sonne. Bei Eastwood wäre in die Schwärze der Nacht hineingeritten. Ich bleibe dabei: Sensationeller Film. Masterpiece!!!

Blogarchive

Soziale Netzwerke

Neueste Posts