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Musik, Kino, Kultur, Radio


Der Marsianer – Ridley Scott

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 22. Februar 2016, 18:31pm

Kategorien: #Filme

Der Eine baut Kartoffeln an...

Der Eine baut Kartoffeln an...

...der Andere sitzt drin!

...der Andere sitzt drin!

Einer meiner ewigen Lieblings Weltraumfilme ist Douglas Trumbull’s SILENT RUNNING (1972).  Bereits als cineastisch unwissender Jugendlicher, musste ich diesen Film gegenüber vielen Anhängern von 2001 – ODYSSEE IM WELTRAUM verteidigen, obwohl ich es Argumentativ nicht konnte. Heute würde ich es nicht wollen, da ich Kubrick’s Kunst inzwischen als allumfassend verstanden habe. Da kann ein Einzelfall wie LAUTLOS IM WELTALL natürlich kaum mithalten. Aber darum soll es hier auch nicht gehen und zum Glück bin ich auch inzwischen in einer persönlichen Position, wo ich Filme nicht mehr verteidigen muss, die ich mag.

Gemocht habe ich aber immer Bruce Dern der in der düsteren Utopie, den auf sich selbst gestellten FREEMAN (!) LOWELL spielt. Der Botaniker ist auf einer Weltraumreise ohne Ziel. In einer riesigen Kuppel mit Weltraumtransporter, ist eine der letzten Wälder der Erde untergebracht. Die Natur auf Mutter Erde ist nicht mehr intakt. Als er letztendlich den Befehl bekommt, die Kuppel zu sprengen, handelt er gegen Befehl, tötet die drei anderen Besatzungsmitglieder und treibt dann mit seinem „Wald“ und zwei Robotern allein durch das Weltall. 

Dabei bleibt Derns Darstellung und die Figur LOWELL aus filmhistorischer Sicht unübertroffen heikel. Die Robinsonade und das Kammerspielhafte im zweiten Teil des Filmes ist dabei nicht die eigentliche Faszination, sondern eben wie die Hauptfigur mit dem moralischen Fragen, zwischen totaler Langeweile und  innerlicher Zerrissenheit umgeht. 

Der Film selbst ist natürlich zeitgeistig –Anfang der Siebziger– genial verankert. Die Ökobotschaft und die Bekenntnis  zum Umweltschutz, hatte zu der Zeit, eine völlig andere Bedeutung als heute, nicht zuletzt die Metamorphose von Lowell vom Fortschrittsglaube hin zur totalen Gleichgültigkeit ist genial.

Anders sein Nachfolger MARK WATNEY (Matt Damon) der ein paar Jahrzehnte später auch den  Beruf des Space-Botanikers ergriffen hat. Sein Schicksal ist auch die von Robinson C., wird er während einer Mars-Mission doch einfach auf dem roten Planeten von seiner Crew zurückgelassen und muss fortan mit alle technischen Widrigkeiten kämpfen um zu überleben. Die politische Aussage ist natürlich auch zeitgemäß. Teilt sie uns Zuschauern doch mit, dass die NASA lange nicht mehr das ist, was sie mal war und inzwischen sogar die chinesische Regierung um Hilfe bitten muss.

Ridley Scott hat bei der Inszenierung des Filmes vieles richtig gemacht, aber ebenso viel falsch. Ich persönlich finde den leichten, niemals richtig dramatischen Stil, mit vielen schönen Gags und einem sehr sympathisch, aber wenig komplex agierenden Matt Damon als Nachfolger von LOWELL gelungen, würde mir aber meine eine zweite Version des Filmes wünschen, der sicherlich beweisen würde, dass eine düstere Utopie dem Streifen, der Geschichte und letztendlich WATNEY  gut getan hätte.

Ich kann nun nicht sagen, was Meister Scott tatsächlich vor hatte und ob er vielleicht unter dem Diktat der Studios stand. Wie auch immer. Bemerkenswert war seine Reaktion auf jeden Fall, als er den 2016ner Golden Globe für BEST MOTION PICTURE COMEDY!!! entgegen nahm. Kurz seufzte er auch ins Mikro: COMEDY? …na ja, komisches Hollywood! 

Denn tatsächlich gibt es in dem Film einiges zu lachen, da Matt Damon den ziemlich coolen Nerd mit dem richtigen populären Wissen gibt. Ebenfalls komisch bis begehrenswert sind die Nebendarsteller, die zum größten Teil des Filmes von der Bodenstation agieren. Und offensichtlich wird die naturwissenschaftliche Welt inzwischen tatsächlich von Nerds regiert und alte Recken, wie z. B. Sean Bean (spielt den Missionsleiter Mitch Henderson) kaum noch etwas zu sagen haben und politisch motivierte Karrieretypen wie Teddy Sanders (Jeff Daniels) nur noch Entscheider wider Willen sind und lächerlich wirken. 

Leider bleibt einem aber der Blockbuster-Popcorn-Geschmack diesmal zu stark im Hals stecken.  Natürlich ist das ein hoch unterhaltsamer Film, der auch niemals dumm ist, trotzdem wünsche ich mir, insbesondere nach all‘ den tollen Weltraumfilmen der letzten Zeit, eine weitere Vorführung der Möglichkeiten, die dieses Genre hergibt. Ein Rückschritt in Richtung APOLLO 13 oder  Red Planet ist schade und dem  Marsianer leider zu gut gelungen.

Und zu dem, muss sich Scott natürlich die ausgelassenen Möglichkeiten im direkten Vergleich mit SILENT RUNNING gefallen lassen bzw. ist der Punkt der, den WATNEY als fröhlichen Idioten darstellt, nicht als nachvollziehbaren Helden.

Aber es ist offensichtlich so in dieser heutigen Welt, dass Hollywood denkt, dass oberflächliche Helden, ohne Persönlichkeit und ohne Emotionen der Zeit besser entsprechen, als komplexe, anarchistische Nörgler wie FREEMAN LOWELL!? …oder Alan Lomax;-)

Aus einem Gewächshaus

Alan Lomax 

Comedy ????

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