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Musik, Kino, Kultur, Radio


James Bond 007 - SPECTRE: Ein Brief an Alan Lomax

Veröffentlicht von Rick Deckard auf 6. Dezember 2015, 15:20pm

Kategorien: #Filme

James Bond 007 - SPECTRE: Ein Brief an Alan Lomax

Mr. Lomax!

Der Tag und die Uhrzeit hätten nicht besser sein können, die Konstellation im Universum wie geschaffen für einen Kinobesuch, die Stimmung gelassen :-D

Als das MGM- und Columbia-Logo nacheinander erschienen, begann das Herzklopfen. Ein weisser Kreis wandert von links nach rechts und es erklingt die bekannteste aller Titelmelodien mit den fetzigen Bläsern: Die Gunbarrel-Sequence wurde endlich wieder an den Anfang verlegt. Bond is back! Lässig dreht sich Daniel Craig um den Oberkörper und erlegt den Schützen.

Mein Grinsen können Sie sich ja vorstellen. 

Vielleicht noch zum Kinobesuch und dem Meilenstein "Wie funktionierst Du?": Ich hatte die 12:00 Uhr Vorstellung gebucht, was sich als richtig erwies, denn mit mir waren nur 6 andere Besucher im Saal. Während der Werbung genehmigte ich mir ein "Ben & Jerrys" Eis mit Schokolade.

Bond ist Kult, Bond ist Geschichte, Bond ist fester Bestandteil des (Deckard'schen) Kinouniversums.

Mein erstes Erlebnis werde ich in diesem Zusammenhang nie vergessen: Weltspiele-Kino am Steintor, Hannover. 18:00 Uhr Vorstellung, MOONRAKER. Starring Roger Moore, Regie Lewis Gilbert, Musik von (dem unvergessenen) John Barry. Unvergesslich auch meine Euphorie, meine staunenden Augen als in einer der spektakulärsten Pre-Titel Sequences aller Zeiten Bond im freien Fall aus einem Flugzeug von Richard Kiel, dem "Beißer" gejagt wird. Furiose Eröffnung! Es folgte der wunderschöne Titelsong von Shirley Bassey und nachfolgend Bonds Weg in das All über Frankreich, Italien und Südamerika. Der Grundstein wurde an diesem Tag gelegt.

Nostalgie ist etwas wirklich schönes.

Gestern schliesslich, 36 Jahre (!) nach jenem Erlebnis nun SPECTRE, erneut im Kino, Bond wird jetzt verkörpert von Daniel Craig, Regie führt Sam Mendes, den Sie Mr. Lomax seit American Beauty und auch Road To Perdition so schätzen!

Insofern war ich gespannt, was die Macher sich dieses Mal einfallen lassen würden. Nun, den Auftakt kann man als gelungen bezeichnen. In einer langen und äusserst spannenden (sowie am Ende rasanten) Sequenz erleben wir, wie Bond in Mexico-City einen Mann verfolgt.

Dann kommt der Moment des Songs und der Titelsequenz. Ich war ein wenig enttäuscht, als ich den Namen Sam Smith las, scheinbar war das Budget aufgebraucht. Der Song war nicht übel, aber dieser Falsett-Gesang ... . Ich hatte mir jemand prominenteren gewünscht.

Was dann folgt mein lieber Freund lässt sich schnell zusammenfassen: Es ist der Versuch eines aufgeblasenen Kammerspiels mit Reminiszenzen an alte Bond Filme unterbrochen von Action-Einlagen. SPECTRE ist ein (Möchtegern) 60'er Jahre Psychedelia-Agententhriller im zeitgenössischen Gewand. Der Film ist zusammen mit IM ANGESICHT DES TODES und DER MANN MIT DEM GOLDENEN COLT der schlechteste Film der gesamten Reihe und ein absoluter Tiefpunkt.

Warum?

SPECTRE hat mit "James Bond" leider so gut wie überhaupt nichts mehr gemein. Der Film ist ein Thriller im Retro-Look. In sich ist die Handlung schlüssig, beginnend mit CASINO ROYALE, EIN QUANTUM TROST und SKYFALL, aber der Versuch der Drehbuchautoren persönliches und familiäre (!) Hintergründe mit in die Reihe aufzunehmen ist vollends und am Ende katastrophal gescheitert.

Natürlich bietet SPECTRE die gewohnten exotischen und mondänen Orte und schickt den Agenten Ihrer Majestät rund um den Globus, die Action-Szenen sind passabel, hauen einen aber nicht aus dem Kino-Sessel, hier und da räkeln sich die Girls in den Betten und es gibt natürlich auch einen Bösewicht.

Mal ehrlich Lomax, was sollen die auch immer wieder neu erfinden? Im Grunde ist James Bond immer das Gleiche und wir sind auch nicht mehr die Zielgruppe (wie die Einpielergebnisse beweisen).

Die Ideenlosigkeit will ich nicht zum Vorwurf erheben, aber das, was ich bereits bei den Vorgängern befürchtet habe, ist mit dem neuesten Bond Abenteuer eingetreten: Das Franchise wurde (aus persönlicher Sicht) zu Grabe getragen. Ich habe mich am Ende von SPECTRE gefragt, ob ein solcher Film-Held im neuen Jahrtausend überhaupt einen Sinn macht? Wie Agenten-Thriller heute aussehen müssen (und können), das hat kürzlich Matthew Vaughn mit seinem sensationellen KINGSMAN - THE SECRET SERVICE bewiesen.

Es ehrt alle an dem Film beteiligten, dass sie alten Bond-Filmen die Ehre erweisen, aber wenn man Craig in einem schwarzen Skianzug aus dem vorherigen Jahrhundert über die Leinwand laufen sieht, sind unfreiwillige Lacher garantiert. Und auch wie bei SKYFALL liegen astronomisch grosse Logik-Löcher in der Luft, aber lassen wir das mit der Logik.

"Was ist mit Christoph Waltz?" werden Sie fragen! Ich sage es Ihnen: Er hat es nicht drauf! Vollkommen überbewertet. Seine Leistung in IB von Tarantino ist ohne Zweifel erlesen, in dem Machwerk DU vom gleichen Regisseur nivelliert sie sich und in SPECTRE bleibt nur noch Tatort-Niveau über. Dafür kann Waltz aber nichts. Der Versuch hier einen klassischen Bösewicht zu integrieren ist gründlich misslungen.

"Was ist mit Daniel Craig?" werden Sie fragen! Craig hat keine Lust den Agenten zu spielen. Das hat er oft genug betont und man sieht es auf der Leinwand. Er war auf dem richtigen Weg, ist hier aber nur noch Karikatur. Physis? Eher peinlich. In fast jeder Szene steht er in hautengen Anzügen breitbeinig in der Gegend herum oder setzt eine Schnute auf. Schade. Zugegeben: Craig hat dem Charakter "Bond" neue Seiten abgewinnen können, schlussendlich hat er aber nicht das konservieren können, was Bond ausmacht (neues Zeitalter hin oder her):

Arroganz, Zynismus, Humor und Nonchalance.

Was wir an Bond lieben ist unbestritten und lockt uns alle 2 Jahre ins Kino: Sein gutes Aussehen, seine Souveränität, sein Allwissen, seine Fähigkeit auch in schier aussichtslosen Situationen Herr der Lage zu sein, seine Weltgewandheit, seinen Erfolg bei Frauen.

Was wir nicht sehen wollen: Grübeln, einen familiären Hintergrund, seine familiären Probleme. Dafür gibt es andere Regisseure, die das zudem besser können.

Um Ihre Frage zu beantworten:

Ich habe den Film gesehen und mein Gesamturteil: Der Film ist eine Katastrophe.

Es gibt für die längste Serie der Kinogeschichte nur noch eine Möglichkeit: Ein künstlerisch-radikaler Neuanfang mit Regisseuren, die Ideen entwickeln und das bewiesen haben. Christopher Nolan z.B. Ansonsten ist es das Ende der Reihe (viel beschworener Quatsch-Satz, ich weiß).

Ich hätte Ihnen gerne etwas positiveres geschrieben, aber wir wollen in Bezug auf das Kino und unsere Leidenschaften stets ehrlich bleiben.

Werden Sie sich den Streifen ansehen?

Aus Rom grüsst Sie Ihr Kompagnon & Mitstreiter

Rick Deckard

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Alan Lomax 12/06/2015 19:48

Das war sehr schön, dass so zu lesen! Auch um einmal wieder Ihre Stimme zu hören!

Den Film habe ich bereits vor einer Woche gesehen! Doch das tut nicht zur Sache, da mir die Serie nicht im Ansatz so viel bedeutet wie Ihnen! Vielmehr würde mich Ihre Meinung zum seriellen Erzählen der letzten Teil interessieren. Interessanter Weise sind sie darauf wenig eingegangen, obwohl ich vermute, dass das eben der Plan für die nächsten Teile ist! Es wird mehr Zusammenhänge gebe und wir werden mehr und mehr mit dem privaten Leben des James Bond konfrontiert. Erste Anzeichen gab es bereits. Seine Wohnung und die Andeutungen auf eine bevorstehende Schwangerschaft!

Lässt sich das für Sie ertragen oder ist dieses Szenario der Alptraum bzw. das Ende von ihm, James Bond?

Deckard: ....

Alan Lomax Rick Deckard Blog 12/07/2015 21:40

....führt usw. Wird vielleicht sogar der größte Bösewicht der Filmgeschichte und muss gegen seinen Vater kämpfen

Alan Lomax Rick Deckard Blog 12/07/2015 21:39

...Sorry, mein Device ist nicht optimal

Alan Lomax Rick Deckard Blog 12/07/2015 21:38

...und im Sinne einer Dramatisierung
des Rache Themas: Also Sohn Bond jr: wird entf

Rick Deckard 12/07/2015 17:26

"Vielmehr würde mich Ihre Meinung zum seriellen Erzählen der letzten Teile interessieren. Interessanter Weise sind sie darauf wenig eingegangen, (...)".

Doch, bin ich:

"In sich ist die Handlung schlüssig, beginnend mit CASINO ROYALE, EIN QUANTUM TROST und SKYFALL, aber der Versuch der Drehbuchautoren persönliches und familiäre (!) Hintergründe mit in die Reihe aufzunehmen ist vollends und am Ende katastrophal gescheitert."

Ganz ehrlich: Mir geht das private Leben von JB am Allerwertesten vorbei. Wohin soll denn die Entwicklung führen? Dass 'M' Bond anruft, er möge zum Einsatz kommen, während dieser auf dem Spielplatz den Kinderwagen schaukelt? Wer das möchte, der möge sich den ganzen Serienschund reinziehen oder die Lindenstrasse. Bonds Privatleben interessiert mich als Kinogänger herzlich wenig.

Nein, es lässt sich nicht ertragen und ja, es wäre ein Alptraum sondergleichen. Mir ist schon bewusst, dass die Macher das Erfolgskonzept der "Serien" übernommen haben. Nur macht es im Kino keinen Sinn.

Ich schrieb es ja bereits: Was soll man auch neues erfinden? Aber bitte nicht so.

Sollen die Mal einen Afroamerikaner als Bond casten, das wäre mal was!

Gott bewahre: Bond beim Einkaufen, Bond beim Wickeln ... Grauenvoll!

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