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Musik, Kino, Kultur, Radio


Andy Summers Gitarre bei King of Pain - Live-Aufnahme: The Police Certifiable: Live in Buenos Aires (2008)

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 18. Dezember 2015, 18:44pm

Kategorien: #Populäre Musik

Andy Summers Gitarre bei King of Pain - Live-Aufnahme: The Police Certifiable: Live in Buenos Aires (2008)

Ehrlich! …folgendes ist mir seit 30 Jahren nicht passiert. Ich habe mich erwischt, wie ich Luftgitarre spiele, dabei die Augen geschlossen habe, auf imaginäre Effektgeräte getreten habe und dabei vor 30.000 Zuschauern spiele. Nein! Ich spreche nicht von der Guitar Hero Version für die PS4, die aktuell, ähnliche imaginäre Erfolge liefert, ich spreche von den Zeiten aus Jugendtagen, als man an verregneten Herbsttagen vor seiner Stereoanalage saß oder eben stand und das Gitarrensolo, wahlweise auch Schlagzeugsolo, manchmal auch Baßsolo mitspielte. Oder mit der Lockenbürste der Mutter, einen perfekte Mikroersatz im Badezimmer fand.

Eine schöne Zeit. Eigene Instrumente konnte man sich nicht leisten, Rockstars waren noch Menschen aus einem anderen, niemals zu erreichenden Universum und Musik sortierte sich gerade in einem selbst. Lieder und Bands wurden unbewusst geclustert und intim sortiert, einige markante Stellen in Songs als heilig empfunden.

Spontan fällt mir z. b. Colin Hay’s (Men at Work) Gitarren Solo bei dem Song „It’s a mistake“ oder Art Garfunkels wiederholte Zeile bei „Sound of Silence“ ein, als die 600.000 Menschen im Central Park sich angesprochen fühlten, jubilierten und Art erneut „Ten thousand people maybe more“ singen musste.

Nun also im Jahre 2015, aber Millionensongs und musikalische Erlebnisse später, kommt diese vermeidlich „olle“ Liveaufnahme des Police Klassikers „King of Pain“ daher. 

Sie fängt gediegen an. Copeland haut auf seinen Glocken rum, Sting’s Stimme singt die schöne Hook und Summers beginnt seinen ersten Rhythmuswechsel nach dem 4 Takt. Dabei jagt er das komplizierte Spiel steigernd durch alle übertriebene Effektmittel, die einem Gitarristen zur Verfügung stehen. Einst eine Innovation und Stilbildend im Jahr 2008 der Aufnahme ehr selbstverliebt und gar nicht mehr schick unter Gitarristen. 

„King of Pain“ war für mich schon immer der versteckte Hit des Albums „Synchronicity“. Sting hat den Song für seine erste Frau geschrieben. Der etwas mystische Touch hat wohl etwas mit den verwobenen Hinweisen zu Carl Jung zu tun, der ihn schon immer sehr beeinflusst hat. Scheinbar ist der Text in Textur der schönen Melodienführung, dass was ihn ausmacht. Bei der original Aufnahme versteht man die Metaphorik etwas besser, die aber zeitgleich auch Sting’s schon immer obskure Art und Weise unterstreicht und ihm das freie, radikale und punkige der ersten Zeit geraubt hat.

Bekannter Weise trennte die Band sich, aufgrund künstlerischer Differenzen. Ich könnte mir vorstellen, dass „King of Pain“ auch ein Auslöser dafür war, wenn man Summers radikalen Gitarrenansatz nun von 2008 hört. Denn Sting wirkt Phasenweise nervös in seinem Gesangsvortrag. Ganz einfach weil Andy Summers sich so dermaßen übertrieben in den Vordergrund spielt, dass jede Probe oder Session mit großem Emotionalen Streit im Studio oder Proberaum abgebrochen wäre. Wer selbst mal in einer Band gespielt hat, weiß, wie es ist: Gitarristen machen im Verlauf einer Probe ihren Verstärker immer lauter. Und das ist kein Klischee.

Egal, denn es zählt der physische Moment der gesamten Gitarrenleistung von Andy Summer, die nicht nur von Genialität geprägt ist, sondern auch von Wut, Überlegenheit und tja, letztendlich auch einem Schlag in die Fresse bei Sting.

Das aber ist nur Annahme! Ich empfehle die Aufnahme trotzdem, nicht zuletzt um Nicht-Gitarristen oder modernen Gitarristen einmal aufzuzeigen, was möglich sein könnte und das eine Gitarre noch immer eine Waffe ist. Gänsehaut, wirklich! Aber nur sehr, sehr laut und unbedingt in dieser Version!!!!

Aus der Signalstufe 12 des Flangers von Andy Summers

Alan Lomax

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