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A World Beyond (Tomorrowland) - Brad Bird

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 17. Oktober 2015, 16:17pm

Kategorien: #Filme

Ein schöner Tag!

Ein schöner Tag!

Kino ist dann am aller schönsten, wenn man von einem Film in seinen Träumen abgeholt wird. In den ersten Sequenzen des Disney-Themenpark-Films TOMORROWLAND (OT) sieht man den kleinen Jungen Frank Walker, wie er an einem herrlichen Morgen des Jahres 1964 mit dem Bus zum Weltausstellungsgelände nach New York fährt. Bei einem Erfinderwettbewerb, möchte er seinen Raketenrucksack vorstellen…

 

Diese 10 Minuten sind gelinde gesagt eine Sensation für jeden Menschen, der schon einmal einen solchen Tag als Kind oder Erwachsener erlebt hat. Man ist früh auf gestanden, fährt zu einem Freizeitpark oder einer Weltausstellung (Lomax im Jahr 2000 Hannover) und weiß, dass einem an diesem Tag, nichts passieren wird außer Freude und eingeschränkten Spaß. Eine nostalgische Vorstellung? Natürlich! 

 

Was man erwartet, ob nun im Freizeitpark oder in dem Disney Film der als Science-Fiction-Abenteuer falsch verstanden werden kann, ist ein Spektakel bzw. Disney-Werbung in Spielfilmlänge, denn einen Science-Fiction für die Familie und ein breites Publikum gab es nie und wird es auch nicht mehr geben. 

 

Wer das noch nicht verstanden hat, sollte sich einmal über zwei Grundsätze des Science-Fiction-Films Gedanken machen, bevor er einen Film wie A WORLD BEYOND (Deutscher Titel) in dieses Genre einordnet und so eine falsche Erwartungshaltung bei sich oder (als Kritiker) bei einem Publikum hervorruft. 

 

Science-Fiction-Filme erzählen ihre Geschichte über die Charactere und nicht mehr über die Hardware und die Tricktechnik eines Studios. Diese ist zwar immer atemberaubender geworden, ist aber endlich. Selbst der neue Star Wars Film wird diesen ewigen Wunsch nach der nächsten größten Achterbahn oder dem allerneusten Special Effect nicht bedienen können, umso einen einen tollen Film entstehen zu lassen, wenn es keine glaubhaften Charaktere in der Geschichte gibt. 

 

Bei einigen der sehr guten Science-Fiction-Filme der letzten Zeit, scheint man sich darüber im klaren geworden zu sein. Ein exzellentes Beispiel ist der Film MOON (2009) von Duncan Jones. Oder OBLIVION (2013) von Joseph Kosinski, alles Filme die durch ihre komplizierten Charaktere zu einer weitaus differenzierteren Angelegenheit werden, als das Genre vermuten lässt.

 

Der zweite Grundsatz eines Science-Fiction-Film ist die Provokation. Scheinbar haben alle Filmkritiker die diesen Film hier verrissen haben, dies vergessen. Denn wer hat es z. B. früher gewagt, den reisserischen und unterhaltsamen JURASSIC PARK mit ALIEN3 zu vergleichen. 

 

Und was ganz insbesondere A WORLD BEYOND angeht, hat er beide grundsätzlichen Eigenschaften nicht und man muss LOST-Erfinder und Drehbuchautor Damon Lindelof einfach unterstellen, dass er das auch gar nicht wollte. Denn was er wollte und als Auftrag bekommen hat, war es einen Film zu machen, der so schnell und atemberaubend sein sollte, das bei der Schilderung seines Universums, Wunder und unerwarteter Wendungen, dem auch der Mensch und seine Geschichte bei allem eingebildeten Fortschritt und Erkennen bedingungslos unterworfen sein soll, nicht auf die Idee kommt einen wichtigen Film zu sehen, sondern durch seine Themen schlurft und träumt und staunt.

 

Was ist falsch daran? Und warum verstehen so wenige, dass dies in allem höchsten Masse gelungen ist, auch wenn der dabei etwas predigend wirkt und natürlich holprig erzählt wird!

 

Dafür gibt es zahlreiche zweitwichtige Aspekte die diesen Film interessant und unterhaltsam machen. 

 

Zuerst ist da natürlich die wunderbare Britt Robertson die bereits in der Serie UNDER THE DOME überzeugen konnte. Dann ist da natürlich der unerschütterliche und ewige George Clooney als erwachsener Frank Walker der allem Unken zu trotz, mit der jungen Raffey Cassidy, eine der schönsten und ergreifensten Kinoszenen des aktuellen Jahres hat.

 

Außerdem ist die Schnelligkeit des Filmes eine Sensation. Der Film ist auf Speed und erinnert daher nicht zuletzt an 80ziger Jahre Unterhaltungs- und Themenparkfilme wie DIE GOONIES oder ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT.

 

Und ja natürlich der Film erinnert auch an den nach wie vor streitbaren Sonderstreifen SUPER 8 aus dem Jahre 2011, der hier sehr kontrovers aufgenommen wurde: http://www.lomax-deckard.de/article-super-8-j-j-abrams-95108089.html

 

Und ja es gibt gewaltig viele Gleichheiten: J.J. Abrams und Lindelof haben eine inhaltliche Nähe, Michael Giacchino hat die Filmmusiken geschrieben und beide Regisseure Bird, sowohl als auch Abrams, haben sich an dem letzten MISSION IMPOSSOBLE Film gewagt. Bei Super 8 waren sie im Prinzip alle im Boot und letztendlich sind das ja auch -gemeinsam mit  Tom Cruise und Steven Spielberg- slle  mit allen in diesem Artikel genannten Filmen etwas zu tun hat, die Speerspitze des sog. Blockbusterkinos und der damit vorgeplanten Themenwelten in den entsprechenden Freizeitparks dieser Welt.

 

Wer 2015 immer noch nicht akzeptiert und verstanden hat, dass der Disneykonzern ein Wertesystem vertritt, in dem es vom Glauben an das Gute im Menschen geht, der muss schon sehr verstrahlt sein und wenn ich mir die persönlich die gesellschaftliche Entwicklung in den letzten 4 Jahren (seit Super 8) so ansehe, ist es mir überhaupt nicht peinlich, dass ich damals über den Wert des Kinos geschrieben habe und heute als undeutliche Fortsetzung einen Film über Träumer und Entdecker ausgesetzt werde, in dem es in Prinzip über die Zerstörung unserer Welt geht, wie wir sie kennen und mit amerikanischer Moral und Zeigefinger-Mantra auf eine Besserung hingewiesen werden.

 

Dies alles verpackt in einem der schnellsten, schönsten und abenteuerlichsten Filme der letzten Zeit für die ganze Familie, ohne den Anspruch zu haben, sich selbst zu ernst zu nehmen und alles andere sowieso klar macht, aber offensichtlich aus diesem Grund nicht verstanden wird, macht diesen Film zu einem der „schönsten“ des Jahres und auf geheimnisvolle Art und Weise auch „ehrlichsten“.

 

Interessiert Sie das ganze Sammelsurium meiner Gedanken nicht, egal, freuen Sie sich auf zwei einhalb Stunden Kinospaß und begeben sich danach vielleicht auf „Entdeckung“. Auf was auch immer….

 

Alan Lomax

 

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franziska-t 10/19/2015 13:12

Ich fand den Film nicht schlecht, allerdings hat mir die Vorstellung der einzelnen Charaktere zu lange gedauert. Beide Biografien, die von Frank und Casey, werden hintereinanderweg erzählt, was unglaublich viel Zeit braucht, bis die eigentliche Geschichte endlich losgeht.

Hier meine Review: https://filmkompass.wordpress.com/2015/05/27/tomorrowland-o-2015/

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