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American Sniper - Eine amerikanische Geschichte, erzählt von Clint Eastwood

Veröffentlicht von Rick Deckard auf 17. Juli 2015, 15:58pm

Kategorien: #Filme

American Sniper - Eine amerikanische Geschichte, erzählt von Clint Eastwood

Ein Film, der lange nachdem der Abspann endet, nachhallt.

Das ist für gewöhnlich die Qualität überragender Filme und American Sniper ist so einer.

Eastwood erzählt darin die (Lebens-)Geschichte des Soldaten und Navy Seal Scharfschützen Chris Kyle. Die Art wie der Regisseur und Schauspieler diese uramerikanische Geschichte erzählt ist unnachahmlich. Er ist in seinen Ansichten und der Darstellung radikal subjektiv und genau das macht die grosse Stärke und Kraft seines Filmes aus.

American Sniper wurde in den Vereinigten Staaten äusserst heftig und kontrovers diskutiert und der Regisseur wurde enorm kritisiert. Genauso vehement setzte sich Eastwood zur Wehr und verteidigte seine filmische Version. Was ihm nicht alles vorgeworfen wurde: Geschichtsrevisionismus, ein Film pro Krieg, pro Kampf gegen den Terror, indirekter Wahlkampf und was sonst noch alles. Man kann es zu Genüge in den Weiten des World Wide Web nachlesen.

All den Kritikern kann ich nur folgendes Zitat an den Kopf werfen (ich weiß leider nicht mehr von wem es stammt:

"Kritiker sind wie Eunuchen. Sie wissen ganz genau wie es geht. Sie können es nur nicht."

American Sniper wurde sowohl in den Staaten, als auch weltweit zu einem der finanziell erfolgreichsten Kriegsfilme überhaupt und damit kommen wir zu einer bedeutenden Frage und Schlussfolgerung:

Für wen werden Filme gemacht?

Für (uns) Zuschauer.

So einfach das klingt, so einfach ist es auch.

Wir gehen ins Kino um uns eine Geschichte in bewegten Bildern anzusehen. Sie muss uns beschäftigen, uns auf eine Reise mitnehmen, uns bewegen und am Ende vielleicht auch zum Denken anregen. All das gelingt dem Film nahezu mühelos und wenn etwas (anscheinend!) mühelos gelingt, dann ist darin ein wesentliches Wort verborgen: Talent und Können.

Eastwood beherrscht die Form der Erzählung wie vielleicht kein zweiter. Er weiss ganz genau, wie man eine (in diesem Falle bewegende) Geschichte erzählen muss, um den Zuschauer zu fesseln und eben das zu erfüllen, was ich weiter oben schrieb. Solche Filme werden heute kaum noch gedreht.

Der Regisseur ist versiert. Hinter ihm liegt eine lange und äusserst erfolgreiche Karriere, zunächst als Schauspieler, dann als Regisseur. Eastwood versteht, worauf es ankommt. Wer seine Karriere beobachtet hat und seine Filme mehrmals gesehen hat, erkennt, welchen Wandel er durchgemacht hat, vom Testosteron durchtränkten Macho (auch heute noch ausserordentlich sehenswert) zum reflektierenden, kritischen und nachdenklichen Regisseur und Produzenten. Seine Alterswerke sind häufig durchweht von einer zutiefst menschlichen Tragik, von einer leisen Melancholie.

Ich kann gar nicht verstehen, was all die Diskussionen angefacht hat und warum sie überhaupt geführt werden?

American Sniper ist ein Anti-Kriegsfilm durch und durch und wer genau hinsieht und hinhört, der wird erkennen warum.

Klassischer und treffsicherer (!) kann man die Geschichte eines "All American Guy" gar nicht erzählen! Gerade die ersten Szenen und Momente des Films, denen Verallgemeinerung und plakative Darstellung und Vereinfachung unterstellt wurden, können filmisch gar nicht besser erzählt werden! Meisterhaft der Schnitt und der Erzählrhythmus.

Das ist ganz grosses und überlebensgrosses Kino.

Mit Filmen dieser Art bin ich aufgewachsen, vielleicht rührt auch daher die Begeisterung.

Kino, Kunst kann immer nur subjektiv sein. Wer Objetivität will, der möge in die Forschung & Wissenschaft oder in den Hörsaal gehen.

Wer Leidenschaft, grosse Emotionen und Unterhaltung will, der geht nach wie vor in den Kinosaal.

Ich weiss nicht, wie es Ihnen in solchen Momenten geht: Als der Film endet, beginnt der Abspann mit folgenden Worten:

Directed and Produced by Clint Eastwood.

Ich bin dann vor Ehrfurcht ergriffen. Ehrlich. Der Mann ist eine lebende Legende, einer der grössten Superstars aller Zeiten und ein Idol, für mich und meinen Kompagnon Alan Lomax.

Grossartiger Film!!!

Rick Deckard

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AlanLomax 08/11/2015 16:35

Gestern Abend gesehen, endlich! Zwei, nee drei aus Deinem Eintrag finde ich wesentlich: Subjektiv, Nachhaltig und Überlebensgroßen! All' dies trifft positiv auf diesen Film zu. Wir zwei sind, sind zwei Dinosaurier! Diesmal, weil wir wahrscheinlich die einzigen "Pussies" sind die diesen Film weltweit gut finden. Ich muss das kurz erklären: Natürlich sind Deckard und ich keineswegs Testosteron gesteuerte Machos, sondern ehr na ja eben "Pussies" oder "Nerds" im besten Sinne. Waffen, Militär, schnelle Autos, geile Weiber (im echten Leben), liegen uns fern. Über Kriegsfilme machen wir uns seit Jahrzehnten Gedanken.

Ich finde bei diesem Film ist es das erste Mal so, dass ich mir keine Gedanken machen muss. Denn Eastwood zeigt uns eben wie es ist. Wir sind alle alt genug, solche Filme selbst zu beurteilen. Aber darum geht es nicht! Es geht darum diese Welt zu verurteilen, die so ein unglaublichen Wahnsinn zu lässt und täglich vergisst, dass Kinder sterben müssen und Menschen aus anderen Teilen dieser Welt nicht in unserer Gesellschaft zu gelassen werden, weil wir Vorurteile haben und die meisten von uns ewig gestrig sind.

Auch die Hauptfigur ist so einer. Ein völlig durchschnittlicher Typ. Einer der sich keine Gedanken macht, sondern das Leben so nimmt, wie es sein Vater ihm erklärt hat. Später als er aber verstanden hat, dass "er soweit ist" und helfen will, wird er gerächt....

Es gibt viel zu überlegen, wenn man diesen Film gesehen hat. Auch über sich selbst. Und das ist die Nachhaltigkeit, die uns Eastwood neben der Subjektivität vermittelt.

Das Überlebensgroße ist natürlich Eastwood selbst. Da muss man schon etwas seine persönliche und filmische Biographie kennen, um zu verstehen, warum er uns die Geschichte so erzählt, wie er sie erzählt. Und das ist dann plausibel, denn sein filmischer Verstand ist signifikant für unser Leben!

Ja, ein Meisterwerk! Absolut!

Rick Deckard 08/11/2015 18:25

Der vorletzte Absatz Deines Kommentars ist ebenso packend geschrieben und mit Leidenschaft versehen wie Eastwoods Film: Man muss seine filmische Biografie kennen. So ist es. Ultra-Kult der letzte Satz:"... denn sein filmischer Verstand ist signifikant für unser Leben!"
Clint ist der Grösste!
P.S. Haben Sie die Schweden-Szene gesehen?

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