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Musik, Kino, Kultur, Radio


Griechischer Wein

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 22. Dezember 2014, 17:57pm

Kategorien: #Vergessene Helden

Griechischer Wein
Griechischer Wein

In diesen Zeiten wo Rassimus und Hetze wieder Alltag -in diesem d. b. armseeligen Land sind- fehlt jetzt schon ein Künstler wie Jürgens, der dem Volk ohne Ironie und Sarkasmus klar macht, dass es hier um Menschen geht. Und zu dem ein Mann der den vielen Tante Emma's und Onkel Willi's und den ganzen dummen Pegidamenschen einfach mal erklärt, dass man den Blickwinkel der anderen Seiten einnehmen sollte, bevor man urteilt.

So ein Udo Jürgens hat es in den 1970s auch nicht einfach gehabt. Er musste sich wahrscheinlich permanent gegen den Politik- und Progressivblog verteidigen. Konstantin Wecker, Wolf Biermann, Ton Steine Scherben und auch der aufkommende Underground hat/haben gerne  gegen die scheinbar klein-bürgerlichen Songs von Jürgens gehetzt. Und na klar, dass war was für Spießbürger, nicht für die Jugend. Das wird schnell vergessen. Erst später hat sich so etwas wie ein Konsens entwickelt oder ein Verständnis dafür, dass der gute alte deutsche Schlager oftmals grandioses Entertaintment gewesen ist, welches die Leute eben unterhält, aber auch mal zwischenzeitlich auf etwas hinweist. Und ein Entertainer im Sinne der Unterhaltung kennt keine musikalische Genreschubladen und macht keine Unterschiede zwischen Rock, Jazz, Blues, Schlager oder Swing. Für einen wie Udo Jürgens ist das alles Musik gewesen.

Was ich sagen will: Einen Satz, eine Textzeile wie:

Griechischer Wein ist so wie das Blut der Erde.
Komm', schenk dir ein und wenn ich dann traurig werde, liegt es daran,
dass ich immer träume von daheim; du musst verzeih'n.
Griechischer Wein, und die altvertrauten Lieder.
Schenk' nochmal ein! Denn ich fühl' die Sehnsucht wieder;
in dieser Stadt werd' ich immer nur ein Fremder sein, und allein.

....wurde verstanden! "Gastarbeiter" bekammen nach 1.000.000en von verkauften Singles ein neues Gesicht, eine Position. Und zwar eine die auch der sogenannte "kleine Mann" verstand. 

Und genau das ist es was uns dieser österreichische Billy Joel hinterlässt. Den poetischen, standfesten und ehrlichen Blick auf eine Gesellschaft, so wie sie nun einmal ist, ohne sie zu beurteilen, aber immer motivert genug zu beschreiben worum es geht und wie es sein könnte, wenn alles voll von Melodien und einem Song ist (Piano Man).

Udo Jürgens war der Lieblingssänger meiner Mutter! "Und immer, immer wieder geht die Sonne auf", zwitscherte sie nicht nur ein paar Mal am Morgen oder am Abend oder wenn es ihr schlecht ging und ich nicht verstand, was in ihr vorging. The Healing Game! ...und das für Millionen von Menschen und Generationen! Unglaublich, was für eine Leistung! Dieser Mann wird uns allen fehlen, weil es keinen Ersatz geben wird und er uns alle geprägt oder begleitet hat wie kein anderer in diesem Land, für das man sich noch immer schämen muss, weil sie eben immer noch auf die Straßen gehen, auch ohne Führer (um mal den anderen Udo zu zitieren)! 

Alan Lomax

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THE SPIRIT 09/22/2015 23:22

Ein Vergessener ist Udo Jürgens zum Glück nicht, dafür aber natürlich ein Held, der von Oskar Werner so beeindruckt in "Das Narrenschiff" war, dass er ihm sein gleichnamiges Lied widmete:

"Und wenn die Nächte wie aus Glas sind
und die Silberwinde wehn,
kannst du die letzten Idealisten
in ihren bunten Kleidern seh'n.

Auf dem Narrenschiff"

Oskar und Udo feierte beide 1966 ihre größten Triumphe. Der eine wurde für "Ship of Fools" als "Bester Hauptdarsteller" für den Oscar und Golden Globe, den er in der Kategorie "Bester Nebendarsteller" für "The Spy Who Came in from the Cold" im selben Jahr gewann, nominiert, der andere errang mit "Mecie Cherie" den Grand Prix Eurovision de la Chanson! Sublim! Damals hiess es noch: Felix Austria!

Rick Deckard 12/22/2014 22:00

Was für ein grossartiger und wunderbarer Artikel!!!
Sehr schön, wahrhaftig und gelungen der Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Und es stimmt und stimmt mich auch ein wenig bitter in der Rückschau: Dass die wahre Qualität solcher Musiker nie zu Lebzeiten anerkannt wird, ich meine nicht die vielen tausenden Menschen, die Udo Jürgens geliebt haben und lieben, sondern die, die gegen ihn hetzten. JETZT klingt aus der Distanz alles verklärt und "Kult", es war aber nicht IMMER so. Sinatra ging es doch ähnlich, wurde doch auch er stets als "Schnulzensänger" verschrien und beleidigt.
Aber im Grunde lieben die Menschen solche Musik, weil sie sie erreicht, nur wollen sie ihre wahren Emotionen nicht zeigen. "Könnte ja peinlich sein!" Ist immer das gleiche.
Udo Jürgens war, ist und wird grossartig sein. Es gibt einige grossartige Alben mit erstklassigem Sound und Arrangements aus den legendären Siebziger Jahren!
Man erinnere sich an einen seiner absoluten Kult-Songs und wer hat Tom & Jerry nicht gesehen:
Vielen Dank, für die Blumen ... .
Grossartiger MUSIKER!

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