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Mad Men - Sieben Jahre Liebe - Staffel 7

Veröffentlicht von Alan Lomax Rick Deckard Blog auf 8. Oktober 2014, 17:02pm

Kategorien: #Fernsehen

Folgender Artikel enthält Spoiler aus Staffel 6 und Staffel 7!

Normale Menschen werden mich für völlig verblödet halten. Denn ich bin seit 7 Jahren verliebt in eine Fernsehserie! Unvorstellbar für einen liberal-intelektuellen der sich ab und zu mal eine Staffel "The Bridge" (natürlich skandinavische Ausgabe) ansieht oder einer aus einem ehr expedetiven Milieu, die natürlich auch mal gerne eine Serie sieht, aber eben nicht versteht, dass man so was lieben kann. Skeptisch wird auch ein ehr traditioneller Kinofan, Kulturinteressierter oder leidenschaflicher Cineast aus einem prekären Milieu sein. Unverständnis, keine Toleranz! Serien sehen ja, klar. "Breaking Bad habe ich auch abgefeiert, aber verliebt!?". Kategorisches Nein von allen Seiten.

Ich manifestiere es hier mal kurz. Aufmerksam auf diesen ganzen Kram wurde ich vor über einem Jahrzehnt, als ich das erstmal anfing HBO zu buchstabieren. Nach den Sopranos war für mich alles klar. Ich war einer neuen Leidenschaft verfallen. Es gab geniale Serien, die noch laufen und welche die längst beendet sind. Viele sind bereits wieder vergessen und ja klar, einige wurden auch von mir inflationär zum Himmel gelobt.

Vieles ist geblieben und hat sich durchgesetzt. "The Walking Dead" hat für mich ein ganzes Genre eröffnet, dem ich seit dem verfallen bin. "Shameless" würde ich auf den Tod verteidigen und ohne "Downton Abbey" möchte ich keine Weihnachten mehr verbringen.

Über all' das habe ich tausendfach geschrieben. All' das bedeutet mir soviel, wird aber doch von so vielen Menschen um mich herum lapidar abgelehnt, zeitgleich wird man aber mit dem uninteressanten Mist, ihrer Hobbys vollgestopft, weil ja eben alles interessanter, kreativer und aktiver ist als Serien zu sehen! 

Auch über den Showrunner und genialen Drehbuchautor Matthew Weiner und die Sopranos und Mad Men habe ich mir die Finger wund geschrieben. Zeitgleich aber auch geweint, gelacht und jede einzelne Folge analysiert, adaptiert und umarmt. 

Und jetzt wird es schwer. Denn die Frage, ob es das unfassbare Drehbuch von Weiner ist, der Zeitkolorit, die Faszination Werbung und Kommunikation oder die gesamt gesellschaftliche Betrachtung einer ganzen Generation in Amerika oder das Faszinosum Don Draper, als undurchschaubarer Charakter und zeitgleichem Jedermann der so fasziniert, weil erstmals voller Respekt die tiefsten Gefühle eines Mannes sensibel, ehrlich und wahrhaftig in der Geschichte der modernen Erzählkunst dargestellt werden - ich weiß es nicht.

Erzählt keinen Scheiss und glauben Sie niemanden, der erzählt, dass diese Serie in irgendeiner Form qualitativ abgebaut hat. Menschen die das erzählen, schreiben oder fühlen, haben nicht verstanden, dass es für Weiner notwendig wurde, seine geliebten Charaktere zu dekonsturieren, damit sie zum absoluten Serienende so funktionieren, wie sie plausibel funktionieren müssen.

David Chase und Weiner haben bei den Sopranos schon einmal den Fehler begannen, eine Serie falsch enden zu lassen. Diesmal wird dies nicht passieren. Und obwohl die letzten Folgen erst im Februar 2015 ausgestrahlt werden, kann man nach Episode 7 schon jetzt sagen, dass wohl das erste Mal in der amerikanischen Fernsehgeschichte ein für alle akzeptables Ende gefunden wird.

Ich bin mir so sicher, dass das passieren wird! Aber natürlich liebe ich wie gesagt diese Serie und auch bei Folge 8 der vierten Staffel an Mad Men geglaubt, als andere Liebhaber fremdgegangen sind, weil Draper anfing Tagebuch zu schreiben und sich im Schwimmbad fit machte, sogar auf hören wollte zu trinken. (I can't get no) Satisfaction!

Es wird natürlich immer Menschen geben, die das alles niemals verstehen. Nachvollziehbar! Ich glaube man muss als Verehrer und Lebenspartner von dieser Serie, zur Hälfte Realist und zur anderen Hälfte Romantiker sein.

Ansonsten würde ich nicht seit Monaten in der Gegend rumlaufen, "Both Sides Now" von Joni Mitchell trälern und immer wieder dieses Bild der Endsequenz von Staffel sechs im Kopf haben, wo Draper mit seinen Kindern vor dem Haus steht, in dem er selbst aufgewachsen ist.

Was ist los mit diesem Typen? Warum soll das groß oder toll oder gar furios sein! Nun, begreifen Sie das gesamte Werk, mit seiner unfassbaren Komplexität!

In Folge 7 stirbt Bert Cooper. Der Charakter des Agenturgründers und Werbevisionärs hat für den gesamten Verlauf der Serie wenig Anteil gehabt, aber Weiner begeht in dieser Folge und mit dem Abbleben seines Helden, eine Unfassbarkeit. Er bricht den visuellen Stil seiner Serie. Und zwar um die merkwürdige Beziehung dies sich zwischen Cooper und Draper von Staffel eins bis jetzt entwickelt hat zu entladen bzw. aufzulösen. Das ist ein genialer Schachzug und wird wohl in jedem Seminar über kreatives Schreiben in dieser Welt absofort aufgenommen. Draper erträumt sich eine Musicaleinlage. Weiner weiß, dass Mad Men Lover wie ich Musicals hassen und das auch Filmfreunde die sich mit der Mathematik des Drehbuchschreibens beschäftigen ehr einen Kotzenkrampf bekommen, wenn sie so etwas sehen müssen. Aber der Olymp der Serienunterhaltung ist Weiner mit dieser Idee sicher. Denn nur so konnte das funktionieren. Die besten Sachen in diesem Leben sind eben doch umsonst...

Alan Lomax

 

 

 

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