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Musik, Kino, Kultur, Radio


In Gedenken an Richard Attenborough

Veröffentlicht von Rick Deckard auf 6. September 2014, 09:04am

Kategorien: #Klassiker

In Gedenken an Richard Attenborough

Menschen haben häufig nur ein bestimmtes Ziel vor Augen oder verfolgen eine Lebensaufgabe. In beruflicher Hinsicht hatte dies auch der britische Schauspieler und Regisseur Richard Attenborough: 'Gandhi'. Die Zielstrebigkeit und der Elan mit der er versuchte dieses Ziel zu erreichen war bewundernswert und kann an entsprechender Stelle nachgelesen werden. Das Risiko war gross: Ein Brite, der das Leben eines Inders verfilmt? Das Ergebnis spricht für sich. 'Gandhi' wurde einer der bewegendsten und beeindruckendsten Filme, die je gedreht wurden. Es ist einer jener Filme, die nur einmal im Leben möglich sind und dem Engagement und der Leidenschaft von Richard Attenborough ist es zu verdanken, dass der Verfechter der Gewaltlosigkeit ein filmisches Denkmal erhielt, welches zeitlos wurde.

'Gandhi' gehört von jeher zu den sogenannten "Angst"-Filmen. Filme, die man sich nur einmal im Leben anschaut, weil der Eindruck und die Nachhaltigkeit so unglaublich immens sind, dass es schwer ist, mit diesen Emotionen Schritt zu halten. 'The Deer Hunter' von Michael Cimino ist ein weiteres Beispiel.

Filme leben von Bildern. Sie leben von der Musik. Sie leben von den Schauspielern. 'Gandhi' wurde von den beiden britischen Kameramännern Ronnie Taylor und Billy Williams in Vollendung in Szene gesetzt. Achten sie darauf, wenn sie sich den Film vielleicht einmal ansehen sollten. Kein Hollywoodkomponist, sondern der Sitarspieler schlechthin schrieb die Musik: Ravi Shankar. Und nicht zuletzt Ben Kingsley: Eine der überragendsten schauspielerischen Leistungen der Filmgeschichte! Schauspielkunst in Perfektion. Genau diese 'Larger Than Life' Momente erheben solche Kunstwerke in die Riege der Meisterwerke und nur solche Filme verdienen es so genannt zu werden.

Ein monumentales Epos und ein Meisterwerk der Filmgeschichte.

Jedoch wird häufiger ein weiterer Film dieses Regisseurs vergessen, der auf seine Weise ebenso brillant ist: 'A Bridge Too Far' (Die Brücke von Arnheim). Ich halte ihn für einen der besten Filme zum Thema WW II. Sehr ergreifend allein der Anfang, bei dem Liv Ullmann aus dem Off in zu Herzen gehender Stimme die Umstände gegen Ende des II. Weltkriegs erläutert. Attenborough verfilmte mit ungeheurem Aufwand die 'Operation Market Garden', welche zu einem furchtbarem Fiasko wurde, bei denen Abertausende Allierte ihr Leben lassen mussten. Gerade, weil der Film nicht auf Einzelschicksale eingeht, gerade weil er die Chronologie der Ereignisse beschreibt ohne den Finger zu erheben entwickelt er einen beeindruckenden Sog. Ein unterschätztes Meistwerk dieses Ausnahmeregisseurs. Die Darstellerregie ist gespickt mit Weltstars, die Kamera führte kein geringerer als Geoffrey Unsworth und John Addison schrieb eines der eingängigsten Themen aller Zeiten. Berauschend!

Ich frage mich, ob solche Film jemals wieder gedreht werden? Ich bezweifele es. Umso mehr spürt man den Verlust, wenn solche leidenschaftlichen Künstler die Filmwelt verlassen.

David Lean wurde einmal über seine Meinung zu Gandhi in einem Interview befragt, worauf er antwortete, er habe den Film in einer schlechten Kopie auf einem Video-Player in einem Hotel in Mumbai gesehen und könne ihn deswegen nicht beurteilen.

"Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung."

Wilhelm Busch

Richard Attenborough verstarb am 24.08.2014.

Rick Deckard

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The Spirit 09/07/2014 18:45

Vor allem Deine Schlussbemerkung zur David-Lean-Rezeption von "Ghandi" widrerlegt eindrucksvoll Howard Hughes' Zitat über einen wirkungsvollen Artikel: "Beginne mit einem Erdbeben und steigere Dich dann langsam" Das Erbeben mit allen Steigerungen hast Du in den letzten Satz gelegt, lieber Rick! Und davor schriebst Du selbst schon grosses Kino

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